Stress lass nach! Das Leben vereinfachen

February 7th, 2010 by Björn Leave a reply »

Als “Digital Native”, der beinahe täglich eine Flut von Informationen aus dem Internet aufnimmt und verarbeitet, der immer mehrere Projekte gleichzeitig bearbeitet und im sogenannten richtigen Leben (ich trenne die “virtuelle” und die “reale” Arbeit schon lange nicht mehr; das tut ein Journalist, ein Lokführer oder ein Kundenberater ja auch nicht) – also der auch im privaten Alltag als Vater, Freund, Hausbewohner, Autobesitzer und so weiter eine Unmenge Dinge immer wieder neu zu erledigen hat, verliert man schon mal den Überblick. Schlimmer noch, manchmal hat man regelrecht das Gefühl, unterzugehen.

Seit einem Jahr versuche ich zielgerichtet, mein Leben zu entrümpeln, Aufgaben zu vereinfachen, Kram loszuwerden und vor allem, Stress und Unzufriedenheit über den Moloch “Pflichten” abzubauen. Kein Projekt für einen Tag! Was sich in 20 Jahren an Gerümpel ansammelt, und welche Gewohnheiten sich eingeschlichen haben, die das Wirrwarr beständig vergrößern, macht das Vereinfachungsprojekt zu einer Großtat. Jedenfalls bei mir, der sich nur zu gern von neuen Ideen, Informationen und Gelegenheiten ablenken lässt. Folglich habe ich mir vorgenommen: “Keinen Stress mit dem Stressabbau – aber bleib am Ball! Geh einfach Schritt für Schritt vor.”
Hier nun die acht Regeln, die ich im Großen und Ganzen bei meinem Schritt-für-Schritt-Projekt anwende – nicht dauernd, und natürlich erst recht nicht alles gleichzeitig. Ich versuche immer wieder, mich daran zu erinnern, eine Regel auszuwählen, bei der ein kleiner Erfolg in überrschaubarer Zeit möglich ist, und einfach loszulegen:

1. Information Overflow reduzieren
E-Mail, Internet, Fernsehen, Zeitung – ein ständiges Bombardement mit Nachrichten und Unterhaltung. Hat man erst mal nur einen Blick riskiert, vermehrt sich auf wundersame Weise das Angebot, dass hinter dem nächsten Link oder einem weiteren Kanal wartet. So rinnt einem schnell die Zeit durch die Finger, während man sich einen neuen Haufen an Informationen ins Gehirn lädt. Die Aufmerksamkeit zerfasert. Die Masse macht’s: ab einem bestimmten Grad ist die ruhige Konzentration auf die wichtigsten Prioritäten dahin. Darum: die Zeit für diese Medien kontrollieren – und ab und zu einfach mal Schluss machen. Die Kiste abstellen. Man kann sowieso nicht alles weglesen oder -sehen. Genauso wichtig: der Zeit, in der man andere Aufgaben wahrnimmt (Haushalt ist so ein Ding) oder sich entspannt, besondere Aufmerksamkeit widmen.

2. Den Zeitpunkt zum Schlafengehen nicht verpassen
Mal abgesehen davon, dass Schlafexperten sowieso dazu raten, vor dem Schlafen nicht mehr am Computer oder vorm Fernseher zu sitzen (was ich kaum einhalte), ist es oft schwer, ein Ende zu finden, wenn man in dem Moment keine Verpflichtungen hat. Und schnell hat man sein Limit überzogen, schläft zu wenig, schläft vielleicht schlecht, am nächsten Tag das gleiche Spiel usw. Da bauen sich gehörige Defizite auf, die an die Substanz gehen. Versucht man dagegen, regelmäßige Schlafzeiten einzuhalten, steigt die Erholung, und das schlechte Gewissen hat einen Anklagepunkt weniger.

3. Zeug wegschmeissen und nicht unnötiges neues Zeug anschaffen
Ein Zen-Klassiker, schlicht und wahr. Der Ballast, den wir mit uns rumschleppen, macht es in der Gesamtheit nun wirklich nicht einfacher. Außerdem liegt er überall im Weg, staubt voll, veraltet und verliert an Wert, und was man sucht wird nicht gefunden. Weniger ist mehr! Es kostet anfangs viel Überwindung, Bücher, Kleidung, Geschirr, Zettel (aber auch Software, Links, Dateien) loszuwerden. Menschen, die nicht zur Radikalkur neigen, müssen diesen Kampf einfach nur entspannt aufnehmen, immer wieder aufs Neue: mal hier eine Ecke entrümpeln, mal jene Schublade kontrollieren, das eine oder andere Buch verschenken, verkaufen oder ins Altpapier befördern.

4. To-Do: eine Aufgabenliste führen
Wichtige Aufgaben aufschreiben – was man schwarz auf weiß hat, belastet den Kopf nicht. Zwar kann man aus dem Management von Aufgaben eine Wissenschaft machen, wie die zahllosen Ratgeber zu diesem Thema belegen. Aber ich habe es über Jahre nicht geschafft, die notwendige Disziplin aufzubringen, so ein anspruchsvolles Management durchzuhalten. Stattdessen führe ich eine Liste in einer Textdatei, in der alle wichtigen Aufgaben enthalten sind – grob nach Sachbereichen geordnet. Daraus schreibe ich mir auf einen kleinen Zettel die Punkte, die ich aktuell, also heute, spätestens morgen, erledigen will. Die Aufgaben, die neu dazukommen, werden entweder auf dem kleinen Zettel mit abgearbeitet, oder kommen in die große Liste.

5. Wunschliste führen
Für Wünsche und notwendige Anschaffungen eignet sich ebenfalls eine Liste, die man abspeichern und bearbeiten kann. Dabei hilft Regel Nummer 3 ungemein, diese Liste überschaubar zu halten.

6. Kein Multitasking. Konzentrier dich auf eine Sache
Multitasking funktioniert nicht beim Menschen, weder bei Frauen, noch bei Männern. Immer nur eine Sache zur Zeit machen! Das reduziert die mentale Belastung und führt zu konkreten Ergebnissen. Da die Aufgaben, die momentan nicht berabeitet werden, auf der Liste stehen (Regel 4), kann man sich beruhigt auf das konzentrieren, was man gerade macht.

7. Entspannen
Es ist wichtig für die mentale Gesundheit und ein gutes Gefühl, Phasen der Ruhe und Entspannung einzuhalten. Computerspiele, Internet und ähnliche Beschäftigungen zählen nicht, auch wenn sie ebenfalls ihren Platz haben – das gehört aber in die Abteilung Unterhaltung, Ablenkung usw.
Wie man Ruhe genießt und sich entspannt, ist individuell verschieden. Eine meditative Möglichkeit für Erwachsene, ohne Hokuspokus und Esoterik, stellt die Progressive Muskelentspannung dar. (Eine gute Anleitungs-CD gibt es beispielsweise vom PAL-Verlag für ca. 11 Euro: Tiefenentspannung nach Jacobson.) Die Methode ist einfach und leicht durchzuführen – nach einer Viertelstunde fühlt man sich entspannt, allein schon, weil man Geist und Körper in dieser Zeit vom Stress befreit hat.

8. Mach dir bewusst, was du geschafft hast
Arbeit ohne Ende – der Mythos von Sisyphos. Um mentale Kraft zu tanken ist es gut, sich zu vergegenwärtigen, was man bislang geschafft hat. Ob Eltern, Programmierer, Lehrer, Manager, usw. – leicht ist man in der Situation, dass man sich von der Masse der Verpflichtungen erdrückt fühlt. Natürlich wäre es gut, wenn man Überlastung vermeiden kann. Aber auf gar keinen Fall darf das Selbstvertrauen darunter leiden, dass man den Eindruck hat, dass man nichts schafft. Das Gegenteil ist der Fall. Man rackert sich von morgens bis abends ab – es ist gut, wenn man jeden Tag zwischendurch mal zurückblickt und sich auf die Schulter dafür klopft, was man heute schon wieder alles getan hat. Das stärkt das Selbstvertrauen. Gerade in stressigen Situationen muss man die eigene Leistung ins rechte Licht rücken – die ist nämlich beachtlich!

Vereinfachung – “Entrümpelung” – hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und vor allem, dabei nicht psychisch in die Knie zu gehen. Man muss Ballast loswerden, Schritt für Schritt vorgehen und statt sich mit Multitasking und Selbstvorwürfen zu zermürben, muss man auch Gelegenheiten schaffen, die Seele baumeln zu lassen und seine eigenen Leistungen positiv zu sehen. Das ist viel gesünder, macht zufriedener und vielleicht sogar – als Nebeneffekt, der aber nicht im Mittelpunkt steht – ein bisschen effizienter.

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