Unglück kommt von allein …

May 12th, 2010 by Björn Leave a reply »

… fürs Glück muss man etwas tun.

Gestern habe ich darüber geschrieben, dass negative Gefühle stärker sind und länger nachwirken als positive. Was lehrt uns das? Es lehrt uns, dass wir die negativen Gefühle kontrollieren und aktiv nach förderlichen Faktoren für gute Gefühle Ausschau halten müssen. Das Gehirn lernt, und so erwerben wir Gewohnheiten. Wenn uns die negativen Gefühle im Griff haben, was uns aufgrund der Tendenz zur Negativität leicht passiert, so verstärken sich die neurologischen Mechanismen, die uns ängstlich, pessimistisch oder scheu machen. Umgekehrt können sich aber auch die positiven Mechanismen verstärken, also zur Gewohnheit werden, wenn sie nur ausreichend ausgeübt werden. Das macht sich beispielsweise die psychologische Verhaltenstherapie zu Nutze, wenn sie Phobien oder Depressionen behandelt.

Für unseren Gefühlshaushalt bedeutet dies, dass wir für unser Glück darauf achten müssen, dass negative Gefühle nicht die Oberhand gewinnen, und dass wir die positiven Faktoren, die unserer Seele gut tun, aktiv suchen und pflegen müssen. Selbst festgefahrene negative Denkgewohnheiten, die unser Wohlbefinden beeinträchtigen, können durch eine aktive Ausübung neuer positiver Wahrnehmungen und Bewertungen, verlernt und durch positive Gewohnheiten ersetzt werden.

Unsere Welt entsteht vor allem in unseren Köpfen. Emotionen, Bewertungen, Erinnerungen, Fantasien, Reflexionen – das alles sind mentale Vorgänge, die die Eindrücke, die uns die Welt liefert, verarbeiten. Aber der Ablauf dieser mentalen Vorgänge ist nicht für alle Zeiten festgeschrieben. Das Gehirn ist plastisch. Nervenbahnen verstärken sich oder bauen wieder ab, je nachdem, wie sehr sie in Gebrauch sind. Man kann die positiven Strategien also üben und das Gehirn dazu anregen, sie als Gewohnheit zu lernen.

Man kann zwar nicht durch Wünschen beeinflussen, ob die Welt uns negative oder positive Daten liefert. Aber wie wir diese Daten handhaben und wie wir damit in unserem Leben bestehen, haben wir durchaus in der Hand. Das ist es, was in der Philosophie ursprünglich einmal mit guten und schlechten Gewohnheiten gemeint war, bevor diese Begriffe durch mehr oder weniger willkürliche Moralkonventionen (und ebenso willkürliche Rebellionen dagegen) in Misskredit gerieten. In der Frage der psychischen Gesundheit geht es aber nicht um umstrittene Konventionen, sondern um die guten Gewohnheiten, die einen Menschen gesund, handlungs- und glücksfähig machen.

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