Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

June 9th, 2010 by Björn Leave a reply »

Im vorigen Beitrag habe ich die achtsamkeitsbasierende Meditation erwähnt, die unter anderem durch Jon Kabat-Zinn prominent wurde, der sie nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten rekonstruiert hat. Achtsamkeit wird in psychologischen und medizinischen Studien als hilfreiche Ergänzung klassischer Heilverfahren beschrieben. Einen allgemeinverständlichen Überblick findet man beispielsweise bei Gehirn & Geist, einer Zeitschrift, die sicher nicht dem Esoterikverdacht unterliegt. 2006 erschien dort ein Artikel zur Achtsamkeitmethode in therapeutischen Verfahren: “Achtsamkeit – Willkommen im Jetzt!

Einen ersten Eindruck zur Achtsamkeitsmethode kann man in einem YouTube-Video gewinnen, das einen Vortrag von Jon Kabat-Zinn beim Suchmaschinenunternehmen Google zeigt. Der ganze Vortrag dauert etwas über eine Stunde. Nach den Einführungen kommt Kabat-Zinn ca. ab Minute 20 zum Kern der Sache – bei Bedarf also einfach dahinspringen. Eine deutsche Transkription des Videos findet sich hier.


.

Einen sehr guten Einstieg in achtsamkeitsbasierende Verfahren bietet das Buch “Stress bewältigen mit Achtsamkeit” von Linda Lehrhaupt, die das Institut für Achtsamkeit und Stressbewältigung leitet. Eine allgemeine Orientierung und Hintergünde zum Thema finden sich in einem Buch, das Daniel Golemann herausgegeben hat: Die heilende Kraft der Gefühle: Gespräche mit dem Dalai Lama über Achtsamkeit, Emotion und Gesundheit. Es enthält Dialoge des Dalai Lama mit westlichen Wissenschaften über die Rolle von Emotionen und Achtsamkeit als Heilmittel.

. .

Advertisement

4 comments

  1. G&G hatte 2004 auch eine experimentelle Untersuchung übers Meditieren vorgestellt (http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/839269). Den Artikel finde ich deswegen interessant, weil er gut zeigt, was gemeinhin so alles mit dem Begriff “Meditation” in Verbindung gebracht wird, sogar von Wissenschaftlern (s. http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/912099).

    Diese Vielfalt ist nicht verwunderlich. Sie ist einer Verständnishürde zu verdanken, die zunächst nicht weiter auffällt, weil sie mit der psychischen Grundleistung in Zusammenhang steht, die wir meist “Aufmerksamkeit” nennen. Aufmerksamkeitsleistungen sind beispielsweise etwas bemerken, aufmerken, aufpassen, etwas beachten oder jemanden beobachten oder sich auf etwas konzentrieren, also auf jede mögliche Art und Weise “acht zu geben”.

    Den Begriff “Achtsamkeit” wird deswegen wohl jedermann mit derartigen mehr oder weniger konzentrativen Leistungen in Verbindung bringen, außer er ist Buddhist und weiß, dass mit “Achtsamkeit” (“mindfulness” oder original “sati”) eine dazu nachgerade gegensätzliche Aufmerksamkeitseinstellung gemeint ist (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Achtsamkeit#Allgemein) – und die Übung der ersten “shamatha” genannt wird, während als “vipassana” das bezeichnet wird, was man auch Achtsamkeits-Entwicklungs-Training (AET) nennen könnte.

    Traditionelle buddhistische Texte darüber leiden oft an einer für uns teilweise fremden, vor allem aber oft bildlichen Ausdrucksweise, die eher andeutet als genau erklärt, worum es dabei geht. Und psychologisch gut fundierte Literatur dazu ist eher rar. Am besten ist wohl immer noch das Buch von Charles Tart “Hellwach und bewusst leben” – neben seiner Dokumentation eines Kurses von ihm mit dem Titel “Die innere Kunst der Achtsamkeit”.

  2. Björn says:

    Vielen Dank für den Kommentar (er landete wegen der Anzahl von Links erst mal im Spamordner – ich habe das jetzt ein wenig entschärft).
    An der Verwirrung stiftenden Unschärfe des Begriffes “Achtsamkeit” stoße ich mich auch immer wieder. “Achtung” ist in dieser Hinsicht nicht eindeutiger, und “mindfulness” wüsste ich nicht besser zu übersetzen.
    Tatsächlich finde ich die traditionellen buddhistischen Texte auch nicht sehr deutlich, zumal sie ja mit verschiedenen religiösen Elementen vermischt sind, die der Nicht-Gläubige nicht auch übernehmen will (was er nach Auffassung verschiedener buddhistischer Lehrer ja auch nicht muss).

    Man wird wohl stets wenigstens kurz erklären müssen, was man mit dieser Form der Achtsamkeit meint, also bspw. eine wache, konzentrierte Aufmerksamkeit auf den Augenblick und die ihn begleitenden körperlichen Prozesse, und / oder eine behutsame, affirmative Einstellung zu den eigenen psychischen Ressourcen, Hoffnungen und Zielen, und / oder einen respektvollen, freundlichen, wohlwollenden Umgang mit der natürlichen und sozialen Umwelt usw.

    Andere wissenschaftlich orientierte Bücher zur Achtsamkeit sind sicher nicht schlechter als das von Tart.

    • Tart’s “Hellwach und bewusst leben” finden ich deswegen so gut, weil er in dem Buch Art und Eigenheiten unserer psychischen Leistungen gut erklärt. Er ist ja Psychologie-Professor und exzellenter Hypnose-Kenner wie überhaupt ein anerkannte Experte für veränderte Bewusstseinszustände.

      Hier http://akincano.net/TexteAudio.html sind übrigens zwei interessante Texte zum Thema “Achtsamkeit” zu finden – neben einer ganzen Reihe von sogar praktischen Audio-Vorträgen…