Liebeskummer ist ein bisschen wie Drogenentzug

August 6th, 2010 by Björn Leave a reply »

Um Liebeskummer zu verstehen, ist die Analogie zum Drogenentzug hilfreich, wobei natürlich anzunehmen ist, dass die meisten, die Liebeskummer erlebt haben, keine nennenswerten Drogenerfahrungen haben. Es ist ja auch nur eine Analogie.
Eine im “Journal of Neuropsychology” veröffentlichte Studie hat die neuralen Systeme untersucht, die bei Liebeskummer aktiv sind. Gehirnregionen, die bei Verlusten und Gewinnen, bei starkem Verlangen und bei der Gefühlsregulierung eine Rolle spielen, werden aktiviert, wenn eine Person mit Liebeskummer ein Foto der geliebten Person betrachtet. Belohnungs- und Überlebenssysteme sind gleichermaßen bei glücklich wie unglücklich Verliebten beteiligt. Aber bei Liebeskummer befindet sich das Belohnungssystem in einem endogenen negativen Gefühlszustand. Gleichzeitig ist das Gehirn “bemüht”, Wahrnehmung und Gefühle neu zu lernen (vielleicht beruht ein Teil der Verzweiflung bei Liebeskummer ja darauf, dass dies nicht so schnell gelingen will), während es andererseits Symptome der Abhängigkeit zeigt. Die Autoren vermuten, dass einige “Bausteine” des Liebeskummers, nämlich die in den mesolimbischen Hirnregionen verwurzelten, eine Bedeutung für die Antriebsregulierung aller Säugetiere haben. Liebeskummer – und Liebe – seien nicht ein spezifisches Gefühl, sondern ein zielorientierter Gefühlszustand.
Vielleicht wird es ja einmal eine sensible Therapie für Liebeskummer geben, die dabei hilft, diese neurologischen Prozesse gut zu bewältigen und einen weniger leidvollen Zustand der Betroffenen zu erreichen.

Eine der Autorinnen der Studie, Helen Fisher, hat auf der TED-Konferenz 2008 von einigen Forschungsergebnissen berichtet. Das Video ist auf YouTube zu sehen (in Englisch).

Quellen: Fisher et al.: Reward, Addiction, and Emotion Regulation Systems Associated With Rejection in Love
Bericht in Science Daily

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