Warum behandeln wir Deutsche unsere sozialen Fähigkeiten so stiefmütterlich?

August 28th, 2010 by Björn Leave a reply »

2007 hat die UNICEF eine Studie über Kinderarmut in reichen Ländern veröffentlicht. Bemerkenswert an der Studie ist, dass nicht nur ökonomische, sondern auch Indikatoren wie Gesundheit, Bildung und Familie aufgenommen wurden. Und erstaunlich ist, dass Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt unter den 21 Großen bei der Kinderamut nur den 11. Rang einnimmt. Die Indikatoren, bei denen Deutschland in der Kinderarmutsstudie am schlechtesten abschneidet, sind “Materieller Wohlstand” und “Familie und Freunde” mit jeweils dem 13. Rang.

Warum ist in Deutschland die sozialpsychologische Dimension “Familie und Freunde” so schlecht entwickelt? Eine Einzelfrage aus der Studie liefert ein erschreckendes Bild: Der Anteil der 15jährigen, die mehrmals in der Woche Zeit mit ihren Eltern verbringen “nur um zu reden”, ist in Deutschland im Vergleich zu 25 untersuchten OECD-Nationen am geringsten!

Wir Deutschen sind nicht gut genug in den “soften” sozialen Skills, in der Fähigkeit, miteinander zu reden, uns gegenseitig Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und unsere Kinder emotional zu stärken. Und ganz offensichtlich fehlt auch uns deutschen Erwachsenen diese sozialpsychologische Sicherheit, die die soziale Interaktion schöner und erfolgreicher macht.
Es kann – in der Politik, in der Bildung, in der Wirtschaft, in allen alltagsrelevanten Kontexten – also nicht nur darum gehen, den ökonomischen Wohlstand zu sichern und materielle Armut abzubauen, wir müssen auch mehr für das soziale, psychologische Wohlbefinden der Menschen tun. Es kann keine Rede davon sein, utopische Luftschlösser vom Kuschelparadies zu etablieren, sondern es sind die grundlegendsten sozialen, kommunikativen, psychologischen Fähigkeiten und Bedürfnisse, bei denen wir Lernbedarf haben.

Quelle: UNICEF, 2007, An overview of child well-being in rich countries. A comprehensive assessment of the lives and well-being of children and adolescents in the economically advanced nations

Advertisement

Comments are closed.