Archive for October, 2010

“Pech gehabt!”, oder: Ist Glück lernbar?

October 28th, 2010

In der Frage, wie viel wir eigentlich selbst für unser Glück tun können, trifft man immer wieder auf die Position, dass da nicht viel zu machen sei. Entweder man habe eine leichte, zum Glücklichsein tendierende psychsische Grundausstattung, oder man sei eben eher grüblerisch und trübsinnig – und daran ließe sich nicht viel ändern. All die Bemühungen und Ratschläge seien vergeblich. Was man an charakterlicher Ausstattung mitbekommen habe, sei nun einmal von der Natur so vorgegeben, “determiniert” und auch nicht mehr änderbar.

Das ist nicht nur keine besonders optimistische Position, sie ist auch falsch. Es trifft in keiner Weise zu, dass die “Natur” schon alles festgelegt hat oder dass die Gene ein für alle Mal determinieren, wie man sich zeitlebens fühlen und auf die Umwelt reagieren wird. Woher auch immer die Vorstellung stammt, “Natur” habe etwas mit starrer Festlegung zu tun – es ist eine Illusion, die in unzähligen Bereichen und Einzelheiten unserer natürlichen Umwelt widerlegt wird. Auch angesichts der Vielfalt, Veränderlichkeit und Dynamik der psychsischen und emotionalen Phänomene kann man über so eine simple Vorstellung nur verblüfft sein. Wenn man die “Natur” schon in dieser metaphorischen Weise für irgendetwas in der belebten Welt als Beleg nehmen will, dann ist Entwicklungsfähigkeit wohl der naheliegendere, der Realität entsprechende Sinn.

Dass man die “Natur” nicht als “Beweis” für einen solchen Determinismus ins Feld führen kann, demzufolge unsere psychische Ausstattung ein für alle Mal festgelegt ist, und wer ein unglücklicher Tropf sei, der bleibe dies auch, zeigt beispielsweise ein einfaches und harmloses Experiment mit Ratten. Das mag als Beispiel vielleicht befremden, aber es zeigt, dass schon Verhaltensweisen von im Vergleich zum Menschen “einfachen” Lebewesen nicht so festgelegt sind, wie es scheint, wenn man von der “Natur” und den Genen spricht. Es gibt auch bei Ratten fürsorgliche und weniger fürsorgliche Mütter. Die Nachkommen der Rattenmütter, die ihren Babys weniger Zuwendung durch Lecken und Kraulen zeigten, reagieren als Erwachsene auf schwierige Herausforderungen gestresster als die Nachkommen, die als Babys mehr Zuwendung erfahren haben. Gibt man nun aber Rattenbabys einer Mutter, die ihren Nachkommen weniger Aufmwerksamkeit widmet, in die Obhut eines fürsorglichen Muttertieres, das diese Babys dann aufzieht, so werden diese genauso stressresistent wie die eigenen Nachkommen der liebevollen Rattenmutter. Der Bann der elterlichen Stresskarriere ist gebrochen, ein anderes Verhalten, als es die genetische Mutter zeigt, wurde gelernt.

Das Gehirn ist lernfähig, anpassbar, formbar. Die Fachleute sprechen von Neuroplastizität. Das gilt für Säugetiere, und noch viel mehr für Menschen. Die Neuronen, die Schaltbahnen unseres Gehirns, lernen neue Verhaltensweisen, die durch Übung und Wiederholung stärker werden, ähnlich wie “Trampelpfade”, die durch häufigen Gebrauch entstehen. Und so kann man durch die richtigen Methoden auch die Fähigkeit zum Glück, zur Freundlichkeit und anderen positiven Eigenschaften, die zu einer besseren Bewältigung des Lebens beitragen, lernen. Wir sind weder Sklaven der Natur, noch unserer Kindheit. Wie wir empfinden und wie wir auf Erfahrungen reagieren, können wir auch als Erwachsene noch lernen.

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Glücklich sein – humorvoll betrachtet

October 14th, 2010

Lauren McCarthy ist eine junge amerikanische Künstlerin, die sich in ihren Projekten den Aspekten (zwischen)menschlicher Erfahrung widmet, die scheitern können.

Eines dieser Projekte ist der Happiness Hat, der mit einem Sensor ausgestattet ist und seinem Träger einen Stich versetzt, wenn er nicht lächelt. Zuletzt hat sie den “Conversacube” entwickelt – eine kleine Box, die den Personen in einem Gespräch Anweisungen gibt, wie sie die Kommunikation fortsetzen sollen, beispielsweise bei einem Date. Dann klappt’s auch mit dem ersten Kuss – wie das dazugehörige Video augenzwinkernd vorführt.

Diese Objekte zeigen auf wunderbar humorvolle Weise die Unsicherheiten, mit denen Menschen sich bei ihrem Bemühen um ein emotional und kommunikativ gelingendes Verhalten auseinandersetzen müssen.

happiness hat from Lauren McCarthy on Vimeo.

Travel Conversacube from Lauren McCarthy on Vimeo.