Archive for June, 2011

Wie wir andere Menschen beurteilen ist ein Indikator unserer eigenen Persönlichkeit

June 30th, 2011

“Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind” – das ist eine Auffassung, die schon antike Philosophen wie Epikur und Mark Aurel formuliert haben, und die zum Beispiel auch Arthur Schopenhauer zustimmend zitiert. Auch Buddha wird sie zugeschrieben.

Und dieser schon lange bekannte Sachverhalt hat sehr reale Bedeutung für unser persönliches Wohlbefinden: Wie wir andere Menschen beurteilen, sagt viel über uns selbst aus – manchmal mehr als über die Anderen. Es ist einer der wichtigsten Indikatoren für unser eigenes Verhalten.

Im “Journal of Personality and Social Psychology” wurde 2010 eine Studie veröffentlicht, in der die Psychologen Dustin Wood, Peter Harms und Simine Vazire diesen Sachverhalt untersucht haben. Sie wollten herausfinden, wie die Wahrnehmung anderer Personen mit den Einstellungen der Beurteiler verbunden ist. Wie wir andere Menschen beurteilen ist eine wichtige Ursache für das eigene Verhalten. Und tatsächlich wurden deutliche Verbindungen zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Wahrnehmung Anderer gefunden.

Menschen, die andere Personen positiv wahrnehmen (z.B. als “interessant”, “glücklich”, “freundlich”), sind tendenziell freundlicher, weniger aggressiv, zufriedener, zuverlässiger, emotional stabiler und haben ein geringeres Risiko, Persönlichkeitsstörungen wie Depression und Narzissmus auszubilden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie von anderen Menschen positiv gesehen werden, ist größer, und sie erleben das Miteinander positiver. Sie haben eine positivere Selbstwahrnehmung.
Menschen mit einer negativen Persönlichkeit (weniger Freundlichkeit und Wohlwollen, mehr Feindseligkeit) betrachten andere Menschen häufiger negativ. Ihre Anfälligkeit für Depressionen und andere psychische Leiden ist größer, und ihre Lebenszufriedenheit ist geringer.

Es kommt also durchaus darauf an, wie wir andere Menschen zu sehen bereit sind.

Man kann die Schlussfolgerung daraus auf verschiedene Weise formulieren:

– Überhebliche, missgünstige, arrogante, abschätzige, niederträchtige, fiese, gemeine Personen sind eine Herausforderung. In der Not der täglichen Auseinandersetzung mit ihnen wird man verleitet, sich mit gleichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Hier der Tipp für die, die diese Einstellung nicht für naturgegeben und richtig halten, und die noch in der Lage sind, sich zu fragen, ob es gut ist, dabei mitzumachen: ist es nicht. Man schadet sich nur selbst.

– Lästern macht unglücklich. Schon Schopenhauer bezeichnete es als Feind unseres Glücks.

– Hierher passt auch ein Ratschlag, der dem griechischen Dichter Pindar zugeschrieben wird (aber möglicherweise von dem schottischen Schriftsteller Ian MacLaren stammt): “Sei freundlich, denn jeder, den du triffst, bestreitet einen schweren Kampf.”


Dazu passend hier im Blog: Gehässigkeit macht (dich) unglücklich

.

. .

Motivation: Den Spaß in einer Aufgabe sehen

June 15th, 2011

Die Dinge, die uns schwer fallen oder die durch eine gewisse Hartnäckigkeit und Zähigkeit Überdruss erzeugen, gehen nicht leicht von der Hand. Und doch muss man sie irgendwie erledigen. Wenn man es schafft, ihnen einen übergeordneten intrinsischen Wert zuzuordnen, wäre schon viel gewonnen. Manchmal ist das vielleicht ein bisschen viel verlangt. Aber möglicherweise geht es eine Nummer kleiner – indem man herausfindet, was bei der Bewältigung dieser Aufgabe Spaß machen könnte. Spaß bei der Arbeit – das sollte man sich weder von der eigenen inneren Stimme noch von einem Anderen verbieten lassen. Und es ist ein altes Rezept – mit ein bisschen Zucker schmeckt die Medizin besser:

.