Archive for the ‘Glück’ category

Ein paar Tipps zur Motivation

July 27th, 2012

Motivation ist wichtig für so Vieles im Leben, für kleine und für große Dinge. Oft wartet man auf den großen Kick, und wenn es ernst wird, denkt man vielleicht sogar, man müsste sein Leben umkrempeln. Das scheint das Gegenteil von einem Erfolgsrezept zu sein – unter anderem deshalb, weil man damit viel zu hohe Ansprüche an sich stellt, die leicht scheitern können und dann zu weniger statt mehr Motivation führen.

Besser ist es, in kleinen Schritten voranzugehen, und auch nicht zu viele gute Vorsätze auf einmal zu beschließen. Am besten nimmt man sich nur eine klar umgrenzte Sache vor, und geht dann Stück für Stück zu weiteren Aufgaben über. Die wichtigste “Tugend” dabei ist Gewohnheit, sozusagen eine positive Routine. Wer sich angewöhnt hat, die Dinge zu rechtzeitig anzugehen, muss sich keine Gedanken machen und keine große Kraft aufwenden, um sie in letzter Minute zu erledigen. Die richtigen Gewohnheiten führen besser und leichter zum Ziel, als wenn man sich dem Stress aussetzen muss, Schwierigkeiten kurz vor Schluss zu lösen. Und auch hier kann man klein anfangen und sich dann allmählich größere Ziele setzen, bspw. zunächst mit dem Bettenmachen jeden Morgen anfangen, um irgendwann dann mal klar Schiff auf dem Schreibtisch zu erreichen.

Für die Meisten von uns ist außerdem ein großes Hindernis die Ablenkung. Sei es, dass wir uns vom Internet oder vom Fernseher nicht losreißen können, oder dass wir ans Essen denken und ähnliche “Ersatzhandlungen”. Eines der wirksamsten Mittel zur Motivation ist es, solche “Problemsituationen” zu vermeiden. Und wer sich grad wieder in einer solchen Situation ertappt (wie zum Beispiel beim Lesen dieses Artikels), der sagt sich schlicht, aber entschieden: “Los, krieg deinen Hintern hoch.”

Ein weiterer gut bewährter Tipp ist es, sozusagen Buch zu führen. Wenn man protokolliert, was man geschafft hat, so führt das zu zwei für die Motivation wichtigen Dingen: es verschafft Übersicht, und es gibt ein gutes, beruhigendes Gefühl. Beunruhigende Gedanken sind einer der größten Motivationskiller. Es ist also eine kluge Strategie, ihnen möglichst wenig Nahrung zu geben.

Übrigens: Tipps wie diese findet man in der heute schier unendlich scheinenden Motivationsliteratur. Wirklich bemerkenswert aber ist, dass schon die Philosophen der Antike – Aristoteles, Epikur, Cicero und Seneca – diese entscheidende Rolle von guter Gewohnheit, schrittweisem Vorgehen und ausgeglichener Psyche betont haben.

Über den richtigen Umgang mit Anderen und mit sich selbst: Der unbekannte Knigge

October 15th, 2011

Auf der Suche nach Texten, die sich mit der Frage beschäftigen, wie man respektvoll miteinander umgehen soll, ist in der deutschen Literatur an unvermuteter Stelle ein kleiner Schatz zu heben: nämlich bei Adolph Freiherr (von) Knigge. (Das “von” hat Knigge selbst, inspiriert durch die Französische Revolution von 1789, streichen lassen).

Knigge ist allgemein leider nur bekannt als der Autor von Benimmregeln. Aber das ist ein bedauerliches Missverständnis. Denn erst spätere Autoren haben den Erfolg der Ratschläge Knigges dazu genutzt, mit seinem Namen ihre eigenen Bücher über Tischsitten und bürgerliches Benehmen bekannt zu machen. Knigge ging es aber grundsätzlich um ein aufgeklärtes Verständnis all unserer Beziehungen zu anderen Menschen – und zu uns selbst. Für ihn steht die Würde und Autonomie des Menschen im Zentrum seiner Abhandlung – für bloße Konventionen, wie zu seiner Zeit etwa die der höfischen Kultur, hatte er gar nichts übrig – sonst hätte ihn Heinrich Heine wohl auch nicht einen “Kenner der Menschen und Bestien” genannt. Vielmehr war Knigge der Überzeugung, dass für einen aufgeklärten, respektvollen Umgang miteinander bestimmte Dinge berücksichtigt werden müssen, die auf der Achtung für Andere und für sich selbst beruhen.

So klingt bei Knigge vieles ähnlich wie in Arthur Schopenhauers “Aphorismen zur Lebensweisheit“, die erst einige Jahrzehnte später veröffentlicht wurden. Und offenkundig beruht sein Ratgeber auch stark auf den ethischen Prinzipien antiker Philosophen wie Cicero und Seneca. Knigges Buch “Über den Umgang mit Menschen” ist aber keine philosophische Abhandlung, sondern ganz pragmatisch ausgerichtet. In manchem ist er den bürgerlich-biedermeierlichen Vorstellungen seiner Zeit verhaftet, wenn er zwar einerseits die Frau als autonome Partnerin in einer Ehe anerkennt, andererseits aber ihre angebliche Einfalt und Anmut als selbstverständlich ansieht. Für heutige Leser, die solche Klischees nicht mehr akzeptieren, ist es aber leicht, die entsprechenden Passagen in Knigges Verhaltenstipps zu “übersetzen”.

Drei der zahlreichen Ratschläge aus Knigges berühmtem Buch will ich hier zum Schluss zitieren:

1.
Sei aber nicht gar zu sehr ein Sklave der Meinungen andrer von Dir! Sei selbständig! Was kümmert Dich am Ende das Urteil der ganzen Welt, wenn Du tust, was Du sollst? Und was ist Deine ganze Garderobe von äußern Tugenden wert, wenn Du diesen Flitterputz nur über ein schwaches, niedriges Herz hängst, um in Gesellschaften Staat damit zu machen?

2.
Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!

3.
Vor allen Dingen wache über Dich, dass Du nie die innere Zuversicht zu Dir selber, das Vertrauen auf gute Menschen und auf das Schicksal verlierst! Sobald Dein Nebenmann auf Deiner Stirne Missmut und Verzweiflung liest – so ist alles aus. Sehr aber ist man im Unglücke ungerecht gegen die Menschen. Jede kleine böse Laune, jede kleine Miene von Kälte deutet man auf sich; man meint, jeder sehe es uns an, dass wir leiden, und weiche vor der Bitte zurück, die wir ihm tun könnten.

Knigge wird heute unterschätzt und leider als bloßer Benimmpapst für angepasstes Verhalten missverstanden. Manche Ratschläge Knigges würden denjenigen, die mehr auf das oberflächlich gutsituierte Verhalten achten, vermutlich sauer aufstoßen.

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Meditation ohne Religion

September 24th, 2011

Meditation ist eine gute Methode, um sich zu sammeln und neue Kraft zu schöpfen. Da man sie häufig in Zusammenhang mit religiösen Praktiken erwähnt, entsteht der Eindruck, Meditation würde eine religiöse Einstellung voraussetzen. Für manche hat sie gar den Beigeschmack von verworrener Esoterik. Religiöse oder esoterische Elemente gehören aber keineswegs notwendig zur Meditation dazu. Auch wenn Meditation in Lexika als spirituelle Praxis bezeichnet wird, so ist sie nicht notwendigerweise mit Spiritualität verbunden. Es ist richtig, dass sie in manchen religiösen Praktiken eine Rolle spielt. Aber das gilt auch für das Trinken (Wein, Tee …) oder Essen (Brot). Meditation eignet sich ganz hervorragend als “säkulare” Entspannungstechnik. Spiritualität oder Religion muss dabei keine Rolle spielen.

Darauf haben auch Vertreter einer spirituellen Geisteshaltung hingewiesen, wie der Dalai Lama, oder der Psychologe Jon Kabat-Zinn. Der Philosoph und Neurowissenschaftler Thomas Metzinger empfiehlt zum “richtigen Umgang mit dem Gehirn” auch in Schulen die Einführung in Meditationstechniken als “ideologiefreie und säkularisierte Formen der Selbsterfahrung”. Wenn man nach einem moderneren Ausdruck sucht, schlägt er das Wort “Aufmerksamkeitsmanagement” vor. (Deshalb sollte, so Metzinger, dieser Unterricht auf keinen Fall in die Hände von Religionslehrern gelegt werden. Viel besser geeignet seien beispielsweise Sportlehrer.)

Das Ziel, mit Meditation zu psychischer Ausgeglichenheit und einer Auffrischung der mentalen Kräfte zu gelangen, ist perfekt vereinbar mit einer säkularen Einstellung. Meditation kann zur Entspannung und Regeneration eingesetzt werden, ganz unabhängig davon, ob man religiös ist oder nicht.

Eine so verstandene Meditation strebt denn auch nicht spirituelle Bewusstseinszustände oder religiöse Erkenntnis an, sondern Entspannung und mentale Stärkung. Dass die Meditation für manche Religionsanhänger eine bewusstseinserweiternde Erfahrung hin zu einer höheren religiösen Dimension darstellt, kann man dahingestellt lassen, denn für die eigene Meditationspraxis zur Förderung von Ruhe oder Achtsamkeit ist man ja nicht auf solche weitergehenden Erwartungen angewiesen. Es kann eben – wie so oft im Leben – jeder auf seine Art glücklich werden.

Es gibt denn auch zahlreiche unterschiedliche Meditationsmethoden, die den persönlichen Vorstellungen mal mehr, mal weniger entsprechen. Ob einfache Entspannungstechniken dazugehören, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Eine solche recht leicht durchführbare und effektive Methode ist zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: dabei wird im mentalen Ruhezustand durch bewusstes An- und Entspannen von Muskeln ein Entspannungszustand herbeigeführt. Der Psychologe Rolf Merkle hat eine CD mit einer Anleitung erstellt, die man gut zur Durchführung dieser Entspannungstechnik benutzen kann. Wer mehr darüber lesen möchte, kann dies auf seiner Webseite tun.

Eine andere, einfache Methode mit ein wenig mehr meditativen Elementen ist die Achtsamkeitsmeditation. Diese ist mittlerweile weit verbreitet, und wird auch von Medizinern, Psychologen und Beratern eingesetzt. Der Psychologe Jon Kabat-Zinn hat sie in seinen Büchern beschrieben und unter anderem auch mit Mitarbeitern des Internetunternehmens Google praktiziert (Link zum YouTube-Video) – eine geradezu paradigmatisch säkulare Anwendungssituation.

Fazit: Schon einfache Entspannungstechniken tragen viel dazu bei, sich mental zu erholen und den Geist ruhig auf essentielle Ziele zu lenken. Dies kann man frei von religiösen oder spirituellen Anforderungen tun.


Weitere Artikel zum Thema Meditation:
- Kostenlose Meditationsübungen im Internet
- Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

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Sachen schaffen trotz Internet – Tipps gegen Internetsucht

September 15th, 2011

Das Internet schlägt viele von uns in seinen Bann. Dies ist eine Tatsache – unabhängig von der Diskussion über Sinn oder Unsinn des Internet an sich, denn in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch im Privaten zur Erledigung von Formalitäten, für Information und Kommunikation, kommt man kaum, und in Zukunft immer weniger, um das Internet herum.

Was aber, wenn man zu sehr hineingezogen wird, wenn man nicht mehr ausschalten kann, wenn aus ein paar Minuten, um mal eben etwas zu erledigen, ein paar Stunden werden? Wenn man sich fragen muss, ob man der Onlinesucht erlegen ist? Gibt es unüberwindliches Verlangen, durchs Internet zu streifen, und vernachlässigt man dabei andere Dinge, die wichtig sind? Der Psychologe Rolf Merkle hat einen Online-Test erstellt, mit dem man anhand von 20 Fragen eine erste grobe Einschätzung erhält, wie süchtig man ist. Vermutlich wird man aber schon selbst zu der Erkenntnis gelangt sein, wenn zu oft Dinge unerledigt bleiben, wenn zu viele Stunden verloren gingen, wenn man die Flut aus dem Netz nicht recht eindämmen kann.

Wer davon überwältigt ist und wieder ein Stück seiner produktiven Zeit zurückgewinnen will, kann möglicherweise mit der richtigen Motivation Einiges erreichen. Dafür hier 4 Tipps, die helfen, Sachen zu schaffen:


Tipp 1
- die 15-Minuten-Regel:
- Man sucht sich eine Aufgabe von seiner Liste der unerledigten Dinge.
- Man setzt sich eine feste Zeit, in der man konzentriert an dieser Aufgabe arbeitet – z.B. 15 Minuten.
- Man arbeitet konzentriert an der Sache.
- Nach Ablauf der Zeit macht man eine kurze Pause.
Resultat: Man schafft Schritt für Schritt zu erledigende Dinge, und mit jedem Schritt bekommt man ein gutes Gefühl – im direkten Gegensatz zu 15 Minuten verlorener Zeit durch zielloses Internetsurfen.

Tipp 2 – Konkrete Aktionen und Ziele statt Aufgaben formulieren
- Wer eine lange To-Do-Liste hat, verliert leicht das Ziel aus den Augen.
- Es ist sehr hilfreich, konkrete Ziele und Resultate zu formulieren: “Ich werde heute Abend die Steuererklärung gemacht haben”, “ich werde Montag den Artikel einreichen” usw.
- Nicht alle Aufgaben lassen sich so motivationspsychologisch umschreiben, insbesondere Detailschritte zur Erreichung eines größeren Ziels nicht. Dann formuliert man Aufgaben, aber möglichst mit dem betreffenden Verb, das die auszuführende Aktion beschreibt: “Update installieren”, “Gebühr überweisen”, usw.

Tipp 3 – Ziele visualisieren
- Ein Klassiker der Motivationstechnik: stellen Sie sich vor, Sie haben die Aufgabe erledigt. Wer angestrebte Ziele visualisiert, erhält einen guten Motivationskick, mit der Sache anzufangen, und bei der Sache zu bleiben.

Tipp 4 – Ziele in Frageform formulieren
- Eine psychologische Studie hat herausgefunden, dass Probanden, die ihre Ziele in Frageform formulierten, insgesamt mehr von dem erledigten, was sie sich vorgenommen hatten. “Werde ich heute Abend den Antrag fertighaben?”, “Werde ich heute die beiden lästigen Telefonate führen?”
- Ein wenig scheint dieser Tipp den Ausführungen in Tipp 4 zu widersprechen. Ich bin mir nicht sicher, was bessere Resultate produziert. Wer Interesse hat, kann Tipp 4 ja mal ausprobieren.

Und schließlich noch eine Binsenweisheit – was ja nicht immer das Schlechteste ist: einfach mal rausgehen, den Computer und das Handy auslassen oder ignorieren, Kino, Treffen mit Freunden, Zeit mit der Familie, Sport oder was immer ansteht, genießen – und die Akkus werden wieder ein Stück aufgeladen.

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Wie wir andere Menschen beurteilen ist ein Indikator unserer eigenen Persönlichkeit

June 30th, 2011

“Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind” – das ist eine Auffassung, die schon antike Philosophen wie Epikur und Mark Aurel formuliert haben, und die zum Beispiel auch Arthur Schopenhauer zustimmend zitiert. Auch Buddha wird sie zugeschrieben.

Und dieser schon lange bekannte Sachverhalt hat sehr reale Bedeutung für unser persönliches Wohlbefinden: Wie wir andere Menschen beurteilen, sagt viel über uns selbst aus – manchmal mehr als über die Anderen. Es ist einer der wichtigsten Indikatoren für unser eigenes Verhalten.

Im “Journal of Personality and Social Psychology” wurde 2010 eine Studie veröffentlicht, in der die Psychologen Dustin Wood, Peter Harms und Simine Vazire diesen Sachverhalt untersucht haben. Sie wollten herausfinden, wie die Wahrnehmung anderer Personen mit den Einstellungen der Beurteiler verbunden ist. Wie wir andere Menschen beurteilen ist eine wichtige Ursache für das eigene Verhalten. Und tatsächlich wurden deutliche Verbindungen zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Wahrnehmung Anderer gefunden.

Menschen, die andere Personen positiv wahrnehmen (z.B. als “interessant”, “glücklich”, “freundlich”), sind tendenziell freundlicher, weniger aggressiv, zufriedener, zuverlässiger, emotional stabiler und haben ein geringeres Risiko, Persönlichkeitsstörungen wie Depression und Narzissmus auszubilden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie von anderen Menschen positiv gesehen werden, ist größer, und sie erleben das Miteinander positiver. Sie haben eine positivere Selbstwahrnehmung.
Menschen mit einer negativen Persönlichkeit (weniger Freundlichkeit und Wohlwollen, mehr Feindseligkeit) betrachten andere Menschen häufiger negativ. Ihre Anfälligkeit für Depressionen und andere psychische Leiden ist größer, und ihre Lebenszufriedenheit ist geringer.

Es kommt also durchaus darauf an, wie wir andere Menschen zu sehen bereit sind.

Man kann die Schlussfolgerung daraus auf verschiedene Weise formulieren:

- Überhebliche, missgünstige, arrogante, abschätzige, niederträchtige, fiese, gemeine Personen sind eine Herausforderung. In der Not der täglichen Auseinandersetzung mit ihnen wird man verleitet, sich mit gleichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Hier der Tipp für die, die diese Einstellung nicht für naturgegeben und richtig halten, und die noch in der Lage sind, sich zu fragen, ob es gut ist, dabei mitzumachen: ist es nicht. Man schadet sich nur selbst.

- Lästern macht unglücklich. Schon Schopenhauer bezeichnete es als Feind unseres Glücks.

- Hierher passt auch ein Ratschlag, der dem griechischen Dichter Pindar zugeschrieben wird (aber möglicherweise von dem schottischen Schriftsteller Ian MacLaren stammt): “Sei freundlich, denn jeder, den du triffst, bestreitet einen schweren Kampf.”


Dazu passend hier im Blog: Gehässigkeit macht (dich) unglücklich

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Zum Glück braucht es keine Religion

December 4th, 2010

Luke Galen ist Professor für Psychologie und beschäftigt sich unter anderem mit der Psychologie des religiösen Fundamentalismus. Zuletzt hat er zusammen mit James Kloet eine Studie veröffentlicht, die empirisch belegt, was nüchtern betrachtet ohnehin naheliegt: die von orthodoxen Anhängern von Religionen immer wieder vorgebrachte Behauptung, dass nicht-religiöse Menschen automatisch unglücklich seien, entbehrt jeder realistischen Grundlage.
Wer zuversichtlich an sein Weltbild glaubt, hat auch in der Regel ein besseres psychisches Wohlbefinden – dies gilt für religiöse und nicht-religiöse Menschen gleichermaßen. Menschen mit geringerer Sicherheit bezüglich ihrer persönlichen Überzeugungen tendieren im Schnitt zu einem geringeren psychischen Wohlbefinden.
Für ein positives, individuell empfundenes Glücksniveau ist die Religion also überhaupt gar keine notwendige Voraussetzung. Im Gegenteil: auch mit Religion fühlt man sich weniger wohl, wenn einen Zweifel beschleichen. Die Behauptung mancher Religionsvertreter, das “atheistische Zeitalter” treibe die Menschen ins psychische Unglück, ist eine sachlich falsche, die Wirklichkeit verzerrende Polemik.

Quelle: Galen, L.W., & Kloet, J. (201). Mental well-being in the religious and the non-religious: evidence for a curvilinear relationship. In: Mental Health, Religion, & Culture, 12.Oct.2010.