Archive for the ‘Glück’ category

Seneca: “Vom glückseligen Leben” als Hörbuch

August 9th, 2010


Bei Librivox gibt es Senecas Büchlein “Vom glückseligen Leben” als kostenloses Hörbuch. Es kann direkt auf der Seite angehört, in drei Abschnitten (hier) oder komplett (hier) heruntergeladen werden. Die Gesamtspieldauer beträgt 2 Stunden, 34 Minuten. Die Vorlesestimme ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Seneca war ein Stoiker. Die Stoiker repräsentierten eine der einflussreichsten Philosophenschulen des alten Griechenlands und Roms. Glück ist für sie das wichtigste Ziel des Lebens. Allerdings muss man sich dazu von Illusionen und Irrtümern befreien, die die Seele beunruhigen und letztlich zu einem ungesunden Lebensstil führen. Senecas Ausführungen sind deshalb heute noch von großem Wert, wenn auch Vernunft und Selbstkontrolle ein wenig zu stark betont werden. Aber auch mit einer gelasseneren, heiteren Einstellung aus heutiger Sicht sind viele der von Seneca genannten Fallstricke und Empfehlungen für ein ruhigeres Seelenleben noch genauso gültig wie vor zweitausend Jahren.

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Liebeskummer ist ein bisschen wie Drogenentzug

August 6th, 2010

Um Liebeskummer zu verstehen, ist die Analogie zum Drogenentzug hilfreich, wobei natürlich anzunehmen ist, dass die meisten, die Liebeskummer erlebt haben, keine nennenswerten Drogenerfahrungen haben. Es ist ja auch nur eine Analogie.
Eine im “Journal of Neuropsychology” veröffentlichte Studie hat die neuralen Systeme untersucht, die bei Liebeskummer aktiv sind. Gehirnregionen, die bei Verlusten und Gewinnen, bei starkem Verlangen und bei der Gefühlsregulierung eine Rolle spielen, werden aktiviert, wenn eine Person mit Liebeskummer ein Foto der geliebten Person betrachtet. Belohnungs- und Überlebenssysteme sind gleichermaßen bei glücklich wie unglücklich Verliebten beteiligt. Aber bei Liebeskummer befindet sich das Belohnungssystem in einem endogenen negativen Gefühlszustand. Gleichzeitig ist das Gehirn “bemüht”, Wahrnehmung und Gefühle neu zu lernen (vielleicht beruht ein Teil der Verzweiflung bei Liebeskummer ja darauf, dass dies nicht so schnell gelingen will), während es andererseits Symptome der Abhängigkeit zeigt. Die Autoren vermuten, dass einige “Bausteine” des Liebeskummers, nämlich die in den mesolimbischen Hirnregionen verwurzelten, eine Bedeutung für die Antriebsregulierung aller Säugetiere haben. Liebeskummer – und Liebe – seien nicht ein spezifisches Gefühl, sondern ein zielorientierter Gefühlszustand.
Vielleicht wird es ja einmal eine sensible Therapie für Liebeskummer geben, die dabei hilft, diese neurologischen Prozesse gut zu bewältigen und einen weniger leidvollen Zustand der Betroffenen zu erreichen.

Eine der Autorinnen der Studie, Helen Fisher, hat auf der TED-Konferenz 2008 von einigen Forschungsergebnissen berichtet. Das Video ist auf YouTube zu sehen (in Englisch).

Quellen: Fisher et al.: Reward, Addiction, and Emotion Regulation Systems Associated With Rejection in Love
Bericht in Science Daily

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Die Deutschen sind nur mittelmäßig glücklich

August 3rd, 2010

In der wissenschaftlichen Metastudie (das ist eine Studie, die Daten mehrerer anderen Studien heranzieht) “Satisfaction with Life Index” wurde die erste “Glückskarte der Welt” erstellt. Sie stellt die subjektive Lebenszufriedenheit in den verschiedenen Nationen dar.

Deutschland liegt in diesem Vergleich im vorderen Mittelfeld, auf Platz 35. USA (Platz 23), Niederlande (Platz 15), Bhutan (Platz 8), Schweden (Platz 7) und allen voran die “glücklichste Nation” – Dänemark – haben zufriedenere Einwohner. Gemessen am Wohlstand im internationalen Vergleich würde man vielleicht eine bessere Platzierung der Deutschen erwarten. Offenbar gibt es aber andere Faktoren als Wohlstand, die auch für die subjektive Lebenszufriedenheit von großer Bedeutung sind. Wichtige Einflussgrößen sind Gesundheit und Bildung, und bei Gesundheit sollte man nicht zuletzt an psychische Gesundheit denken. In Umfragen in verschiedenen Industrienationen zeigt sich, dass Befragte von der Politik erwarten, dass sie die Menschen glücklicher statt immer nur wohlhabender macht. Materielle Sicherheit ist wichtig für Zufriedenheit, aber die anderen Aspekte eines erfüllten, glücklichen Lebens dürfen dabei nicht unter die Räder geraten.

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Glückliche Menschen sind produktiver

August 2nd, 2010

Glückliche Menschen sind produktiver – dies zeigt eine Studie des Industrie- und Organisationsökonomen Daniel Sgroi. Eine andere Studie, die zu dem gleichen Ergebnis kommt, wird hier erwähnt.
Arbeitgeber, die sich bemühen, Bedingungen für ein besseres Wohlbefinden ihrer Arbeitnehmer zu schaffen, tun also nicht nur etwas für ihre soziale Verantwortung, sondern auch für die Produktivität ihres Unternehmens.
Aber auch im privaten Bereich oder für Selbständige gilt dies – wer sich besser fühlt, ist besser gewappnet, seine Aufgaben erfolgreich zu meistern.

Ist Neuroplastizität ein leerer Begriff?

July 24th, 2010

In der Psychologie und den Neurowissenschaften der letzten Jahre ist häufig von Neuroplastizität die Rede. Mehr oder weniger ist damit gemeint, dass “der Geist durch Erfahrungen geformt” wird, wie beispielsweise Stefan Klein in seinem empfehlenswerten Buch “Die Glücksformel” schreibt.
Im Blog Mind Hacks ist nun ein Beitrag erschienen, der feststellt, Neuroplastizität sei ein schmutziges Wort (“Neuroplasticity is a dirty word“). Da das Gehirn eben prinzipiell veränderbar sei, würde “Neuroplastizität” Nichts erklären, wenn man nicht beschreibt, wie diese Veränderung zustandekommt. Obwohl der Begriff so populär ist, würde in der Regel außer Acht gelassen, dass er in verschiedenen Bereichen Unterschiedliches bedeutet (strukturelle Veränderungen, funktionelle Veränderungen oder das Lernen von Gewohnheiten). In einem zweiten Beitrag wird gezeigt, dass Veränderungen und Anpassungen des Gehirns schon seit über 100 Jahren in der Wissenschaft diskutiert werden (“Neuroplasticity is not a new discovery“).

Ich finde eine gesunde Skepsis bei Begriffen, die einem Hype unterliegen, auch immer sehr angebracht. Es ist allerdings gar nicht immer so leicht, eine nüchterne Bewertung der Vorzüge und möglichen Irrtümer einer populären Terminologie vorzunehmen. Einerseits möchte man überzogene Interpretationen und Verheißungen, also den ganzen Schindluder, der mit so einem Modewort einhergeht, loswerden. Andererseits läuft man Gefahr, selbst zur Sprachpolizei zu werden, die blind ist für die wertvollen Anregungen, die in den Darstellungen mit dem “schmutzigen Wort” enthalten sind.

Entsprechend scheint mir der Beitrag auf Mind Hacks übers Ziel hinauszuschießen, denn die Feststellung, dass jede Erfahrung das Gehirn verändert, macht den Begriff meines Erachtens nicht bedeutungslos, sondern gerade so interessant. Offenbar ist Neuroplastizität ein wesentliches Merkmal des Gehirns, und deshalb sind Versuche ihrer Erklärung notwendig.
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Lieber beschäftigt als bequem?

July 23rd, 2010

Der Mensch hat eine instinktive Tendenz, Müßiggang, Bequemlichkeit oder Faulheit gegenüber einer aufwändigen Beschäftigung zu bevorzugen. Zwar hat die Faulheit Einiges für sich, wenn man an das Lob der Faulheit denkt, das Philosophen wie Jean-Jacques Rousseau ausgesprochen haben.
Aber wie so oft muss man wohl genauer differenzieren. Der Verhaltensforscher Christopher Hsee hat in Studien herausgefunden, dass Aktivität und Beschäftigung zufriedener machen als bequemes Nichtstun. Oft soll es besser sein, irgendeine harmlose Aktivität auszuüben als dem Nichtstun oder einer destruktiven Aktivität nachzugehen.

Quelle: British Psychological Society – Research Digest