Archive for the ‘Psyche’ category

Einfach atmen – du bist okay!

April 29th, 2010

Der unglaublich quirlige, einfallsreiche und witzige Internetaktivist Ze Frank hat mit Unterstützung anderer Internetnutzer einen Song für eine Frau veröffentlicht, die ihm in einer E-Mail von Angstgefühlen nach einem Jobwechsel berichtet hatte:

” Hey, you are okay
you’ll be fine
just breathe.”

Über die E-Mail-Korrespondenz und den Entstehungsprozess des Songs schreibt Ze Frank auf der Seite, auf der man den Song kostenlos anhören kann: Ze Frank – Chillout. [via Boing Boing]

Zu hören auch hier:

<a href="http://zefrank.bandcamp.com/track/chillout">chillout by zefrank</a>

Dies ist ein großartiges Beispiel für gegenseitige Ermunterung und gemeinschaftliche Kreativität. Ich würde mir diesen Geist auch in Deutschland mehr wünschen, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Kriteleien, Polemik und Konkurrenzdenken hier eines Tages in den Hintergrund gedrängt werden.

Depression bislang nicht genetisch erklärbar

April 29th, 2010

Stephan Schleim berichtet auf Telepolis vom aktuellen Stand der Forschung zu den Ursachen von Depressionen. Die These, dass sie auch genetisch bedingt sein könnten, scheint durch eine neue Studie entkräftet worden zu sein. Nachdem man eine zeitlang annahm, dass das Serotonintransporter-Gen das Risiko, von Depressionen betroffen zu sein, erhöhen könnte, zeigte sich nun, dass genau dies nicht der Fall ist. Offenbar wird die Genetik hier überschätzt. Der Einfluss tragischer Lebensereignisse auf Depressionen scheint die wichtigste Ursache zu sein – erfolgversprechende Therapien müssen entsprechend hier ansetzen. Psychische Phänomene sind so komplex, dass es nicht so aussieht, als ob die Genetik hier im großen Umfang Erklärungs- und Behandlungspotenzial besitzt. Allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass genetische Faktoren existieren, die im Zusammenhang mit Depression stehen.

Nachtrag: Nach einem freundlichen Hinweis von Stephan Schleim hier in den Kommentaren habe ich diesen Beitrag überarbeitet, um Missverständnissen vorzubeugen.

Stephan Schleim: Doch kein Depressions-Gen, telepolis, 2009.

Ein Mittel gegen gute Laune

April 26th, 2010

Das amerikanische Satiremagazin “The Onion” ist bekannt für seinen bösen Humor, vergleichbar mit der deutschen “Titanic”. Auf der Webseite der Onion gibt es ein Video, das der Frage nachgeht, wie man die “unerträglichen Gutgelaunten” wieder “gesund” machen und wie man sich einfach wieder normal beschissen fühlen kann. Vorgestellt wird das Medikament Despondex gegen Fröhlichkeit: “Ein großer Schritt vorwärts im Kampf gegen Ausgelassenheit”, wie die Fachleute von The Onion sagen.
Leider ist das Video kontraproduktiv – Lachen macht gute Laune.

Würg dich nicht selbst ab

April 20th, 2010

Man kennt das: in einer besonders angespannten Situation, in der man etwas auszuführen hat, was man sonst gut beherrscht – bei einem Vortrag, einem Wettkampf, einer Prüfung usw. – “versagen die Nerven” und man erzielt ein schlechteres Ergebnis als das, was man eigentlich auf dem Kasten hat. Der Grund sind Zweifel und überflüssige Gedanken, die die Handlung beeinträchtigen. Jonah Lehrer hat einen Artikel zu diesem Phänomen geschrieben – “Don’t choke”:

Die Hauptursache dieses “Verschluckens” ist “zuviel denken”, weil wir anfangen Handlungen zu analysieren, die am besten auf Autopilot durchgeführt werden.

Besser, man vermeidet selbstreflexives Denken in solchen Situationen. Einen Vorschlag macht Lehrer, wie man sich mental vielleicht davor wappnen kann: an ganz allgemeine, positive Aspekte der Handlung denken, an “ganzheitliche Schlüsselworte”, wie Psychologen sie nennen, zum Beispiel beschreibende Adjektive wie “ruhig” oder “ausgeglichen”

Depression verringern: Lernziele statt Selbstwertziele

April 9th, 2010

Hier wird von einer Studie berichtet, die besagt, dass Menschen, die kognitiv verletzbar sind, also ein beschädigtes Selbstwertgefühl besitzen, Ziele anstreben, die den Selbstwert stärken beziehungsweise nicht verringern. Menschen mit stabilerem Selbstwertgefühl bevorzugen dagegen Lernziele. Menschen, die danach streben, Verletzungen des Selbstwertgefühls zu vermeiden, tendieren in Stresssituationen dazu, defensive, selbstbehindernde Verhaltensweisen anzunehmen (Rückzug, Grübelei usw.). Menschen mit Lernzielen dagegen neigen in solchen Situationen zu Problemlösungsverhalten. Um Depressionen zu lindern sei es daher hilfreich, sich von Selbstwertzielen auf Lernziele umzuorientieren und die negativen Überzeugungen bezüglich des eigenen Selbstwertes zu verbessern. (“A key to alleviating depression is fostering a shift from self-worth goals to learning goals and from the beliefs underlying self-worth goals to the opposite beliefs.“)

Studie: How goals and beliefs lead people into and out of depression.from Review of General Psychology – Vol 13, Iss 4 by Rothbaum, Fred; Morling, Beth; Rusk, Natalie

.

Umschalten! Freundlichkeit macht widerstandsfähiger

March 18th, 2010

Image by Toymanron, morguefile.com


Wenn man auf seinen zurückgelegten Lebenslauf zurücksieht, so kann man in Vorwürfen gegen sich selbst leicht zu weit gehen.” (Arthur Schopenhauer)

.

Das Leben hält viele Widrigkeiten bereit – im Großen wie im Kleinen. Philosophen, Sozialreformer und Psychologen singen seit Ewigkeiten ein Lied davon. Einige erleben weniger Belastungen, oder können sie besser wegstecken, andere verlieren den Mut, sind seelisch niedergeschlagen. Ganz unabhängig davon, ob und wie man entmutigende Umstände ändern kann – politisch, moralisch, kulturell, psychologisch – es ist möglich und überlebenswichtig, die psychische Widerstandsfähigkeit und ein positives Selbstbild zu stärken.

Viele Menschen haben Selbstzweifel verinnerlicht, die ihnen aus der Kindheit oder aus ungleichen sozialen Beziehungen oder aus falschen populären Klischees in der Öffentlichkeit erwachsen sind. Unsere Gedanken werden durch diesen Filter aus vergangenen und gegenwärtigen Informationen getrübt. Die Selbstwahrnehmung wird negativ eingefärbt, Motiviation und Agilität werden ausgehölt. Aber warum sollte man in einer Welt, in der man Kränkungen, Niederlagen und Mangel erlebt, zu sich selbst unfreundlich sein? Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund.

Man kann etwas dafür tun, seine Gedanken und seine Stimmungslage wieder auszubalancieren. Man kann mehr freundliche Achtsamkeit in der Wahrnehmung des eigenen Selbst üben. “Sei freundlich zu dir selbst – in einer bewussten Weise.” Dies hat nichts mit Egoismus zu tun, der ein Fehler ganz eigener Art ist, mit dem man letztlich sich selbst Schaden zufügt.

So wie unser Gehirn eine natürliche Tendenz hat, alarmierende, negative Faktoren besonders aufmerksam wahrzunehmen, um uns vor Risiken zu schützen, so ist es andererseits aber auch möglich, durch bewusste Lenkung der Wahrnehmung auf positive, freundliche Gegebenheiten, ein positives Selbstvertrauen aufzubauen. Der Effekt des Lächelns ist real – es gibt definitv keinen objektiven Grund, der es überflüssig macht, das Lächeln von Mitmenschen oder auch das symbolische Lächeln eines sonnigen Tages, einer Blumenwiese oder eines geliebten Kunstwerkes ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu holen. Freundlichkeit sich selbst gegenüber und Achtsamkeit für die freundlichen Momente des Lebens sind wirksame Mittel, das Gehirn von einer selbstschädigenden hin zu einer förderlichen Funktionsweise neu zu justieren.

Wer eines Beispiels bedarf: Menschen in schwierigsten Situationen (wir alle kennen historische Vorbilder), sei es der traumatische Verlust von lieben Personen, sei es Unterdrückung und Inhaftierung in Unrechtsregimen, sei es in der Bewältigung einer übermenschlichen Katastrophe – haben mit dieser Achtsamkeit für sich und für das Gute in ihrer Umwelt nicht nur ihre verzweifelte Lage bewältigt, sondern auch vielen anderen die Kraft gegeben, Mut und Lebenswillen zu behalten.

Das Leben hält viele Widrigkeiten bereit – im Großen wie im Kleinen. Achtsamkeit und Freundlichkeit schaffen die Ressourcen, die uns die Kraft geben, das Gute zu tun und zu sehen und diese Tendenz dadurch weiter bestärken.