Archive for the ‘Psyche’ category

Kostenlose Meditationsübungen im Internet

June 3rd, 2010

Bei Zencast (alternative Adresse hier) gibt es derzeit über 250 geführte Meditationsübungen, die unter einer Creative Commons Lizenz stehen, also frei heruntergeladen werden dürfen. Die Übungen sind allerdings auf Englisch. Die einzelnen Episoden widmen sich ganz unterschiedlichen Bereichen, von Einsteigerübungen über Mindfulness bis zu speziellen Themen. Wer ein wenig rumstöbert, hat gute Chancen, etwas zu finden, das zu den eigenen Interessen passt.

Alternativ kann man im Buch “Meditation für Anfänger” (inklusice CD) von Jack Kornfield, der einer der bekanntesten westlichen Meditationslehrer ist, eine Anleitung zur Meditation finden. Kornfield lehrt insbesondere die Vipassana-Meditation, die an keine Religionszugehörigkeit gebunden ist, und in der die Übung von Achtsamkeit im Mittelpunkt steht. Auf der dem Buch beiligenden CD finden sich sechs geführte Meditationen.
Auch Jon Kabat-Zinn, emeritierter Professor aus New York, widmet sich der Achtsamkeitsmeditation. Von ihm gibt es das gut lesbare Buch “Im Alltag Ruhe finden: Meditationen für ein gelassenes Leben“.


Weitere Artikel zum Thema Meditation:
- Meditation ohne Religion
- Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

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Unglück kommt von allein …

May 12th, 2010

… fürs Glück muss man etwas tun.

Gestern habe ich darüber geschrieben, dass negative Gefühle stärker sind und länger nachwirken als positive. Was lehrt uns das? Es lehrt uns, dass wir die negativen Gefühle kontrollieren und aktiv nach förderlichen Faktoren für gute Gefühle Ausschau halten müssen. Das Gehirn lernt, und so erwerben wir Gewohnheiten. Wenn uns die negativen Gefühle im Griff haben, was uns aufgrund der Tendenz zur Negativität leicht passiert, so verstärken sich die neurologischen Mechanismen, die uns ängstlich, pessimistisch oder scheu machen. Umgekehrt können sich aber auch die positiven Mechanismen verstärken, also zur Gewohnheit werden, wenn sie nur ausreichend ausgeübt werden. Das macht sich beispielsweise die psychologische Verhaltenstherapie zu Nutze, wenn sie Phobien oder Depressionen behandelt.

Für unseren Gefühlshaushalt bedeutet dies, dass wir für unser Glück darauf achten müssen, dass negative Gefühle nicht die Oberhand gewinnen, und dass wir die positiven Faktoren, die unserer Seele gut tun, aktiv suchen und pflegen müssen. Selbst festgefahrene negative Denkgewohnheiten, die unser Wohlbefinden beeinträchtigen, können durch eine aktive Ausübung neuer positiver Wahrnehmungen und Bewertungen, verlernt und durch positive Gewohnheiten ersetzt werden.

Unsere Welt entsteht vor allem in unseren Köpfen. Emotionen, Bewertungen, Erinnerungen, Fantasien, Reflexionen – das alles sind mentale Vorgänge, die die Eindrücke, die uns die Welt liefert, verarbeiten. Aber der Ablauf dieser mentalen Vorgänge ist nicht für alle Zeiten festgeschrieben. Das Gehirn ist plastisch. Nervenbahnen verstärken sich oder bauen wieder ab, je nachdem, wie sehr sie in Gebrauch sind. Man kann die positiven Strategien also üben und das Gehirn dazu anregen, sie als Gewohnheit zu lernen.

Man kann zwar nicht durch Wünschen beeinflussen, ob die Welt uns negative oder positive Daten liefert. Aber wie wir diese Daten handhaben und wie wir damit in unserem Leben bestehen, haben wir durchaus in der Hand. Das ist es, was in der Philosophie ursprünglich einmal mit guten und schlechten Gewohnheiten gemeint war, bevor diese Begriffe durch mehr oder weniger willkürliche Moralkonventionen (und ebenso willkürliche Rebellionen dagegen) in Misskredit gerieten. In der Frage der psychischen Gesundheit geht es aber nicht um umstrittene Konventionen, sondern um die guten Gewohnheiten, die einen Menschen gesund, handlungs- und glücksfähig machen.

Negatives ist stärker als Positives

May 11th, 2010

Vermutlich hat jeder schon die Erfahrung gemacht, dass negative Erlebnisse stärker wirken als positive. Diese Asymmetrie in der Intensität von negativen und positiven Gefühlen wird in der psychologischen Fachliteratur als negativity bias bezeichnet, was man wohl ungefähr als negative Verzerrung oder negative Neigung übersetzen kann.
Dieses Phänomen ist universal. Menschen sind offenbar ganz allgemein mit einem sensiblen Sensor für Gefahren, Risiken und alle Arten von schädlichen oder bedrohlichen Ereignissen ausgestattet. In Experimenten kann man nachweisen, dass negative Informationen stärker wahrgenommen werden und auch nach dem Zeitpunkt der Wahrnehmung noch eine größere Aufmerksamkeit erzeugen als positive oder neutrale Informationen. Menschen nehmen Bedrohungen sofort wahr und beschäftigen sich länger damit als mit “positiven” Gelegenheiten. Etwas ungenau formuliert besitzen wir eine Art Obsession für schlechte Nachrichten, und in der Tat sind manche psychische Leiden darauf zurückzuführen, dass man die realistische Balance für negative und positive Bewertungen verloren hat. Beruhigenderweise zeigt die psychologische Forschung nämlich auch, dass die Anzahl positiver und neutraler Erlebnisse die der negativen überwiegt (ausgenommen natürlich Krisensituationen). Ein übermäßiger Pessimismus ist folglich unrealistisch, und lähmt zudem in der Entfaltung (wie in den vorherigen Beiträgen in diesem Blog schon zu lesen).

Nichtsdestotrotz besitzen wir nun einmal einen empfindlicheren Sensor für Negatives als für Positives. Als “biologische Schutzvorkehrung” verstanden, erfüllt er einen guten Zweck, aber nur solange, wie er sich nicht verselbständigt und die Kontrolle über Wahrnehmung und Gefühle vollständig übernimmt. Wenn es der Zweck dieses Mechanismus ist, uns vor Schaden zu bewahren, dann ist es richtig, sich darum zu kümmern, dass er nicht selbst größeren Schaden verursacht, in dem er uns blind macht für unsere Möglichkeiten und uns im schlimmsten Fall lähmt.

Negativity Bias in der englischsprachigen Wikipedia.
Baumeister, R.F., Bratslavsky, E., Finkenauer, C., & Vohs, K.D. (2001), Bad is stronger than good. Review of General Psychology, 5, 323-370.
Ito, Tiffany A.; Larsen, Jeff T.; Smith, N. Kyle; Cacioppo, John T. (1998), Negative information weighs more heavily on the brain: The negativity bias in evaluative categorizations. Journal of Personality and Social Psychology. Vol 75(4), Oct 1998, 887-900.
Rozin P and Royzman EB. (2001). Negativity bias, negativity dominance, and contagion.
Personality and Social Psychology Review, 5, 296-320.

Einfach atmen – du bist okay!

April 29th, 2010

Der unglaublich quirlige, einfallsreiche und witzige Internetaktivist Ze Frank hat mit Unterstützung anderer Internetnutzer einen Song für eine Frau veröffentlicht, die ihm in einer E-Mail von Angstgefühlen nach einem Jobwechsel berichtet hatte:

” Hey, you are okay
you’ll be fine
just breathe.”

Über die E-Mail-Korrespondenz und den Entstehungsprozess des Songs schreibt Ze Frank auf der Seite, auf der man den Song kostenlos anhören kann: Ze Frank – Chillout. [via Boing Boing]

Zu hören auch hier:

<a href="http://zefrank.bandcamp.com/track/chillout">chillout by zefrank</a>

Dies ist ein großartiges Beispiel für gegenseitige Ermunterung und gemeinschaftliche Kreativität. Ich würde mir diesen Geist auch in Deutschland mehr wünschen, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Kriteleien, Polemik und Konkurrenzdenken hier eines Tages in den Hintergrund gedrängt werden.

Depression bislang nicht genetisch erklärbar

April 29th, 2010

Stephan Schleim berichtet auf Telepolis vom aktuellen Stand der Forschung zu den Ursachen von Depressionen. Die These, dass sie auch genetisch bedingt sein könnten, scheint durch eine neue Studie entkräftet worden zu sein. Nachdem man eine zeitlang annahm, dass das Serotonintransporter-Gen das Risiko, von Depressionen betroffen zu sein, erhöhen könnte, zeigte sich nun, dass genau dies nicht der Fall ist. Offenbar wird die Genetik hier überschätzt. Der Einfluss tragischer Lebensereignisse auf Depressionen scheint die wichtigste Ursache zu sein – erfolgversprechende Therapien müssen entsprechend hier ansetzen. Psychische Phänomene sind so komplex, dass es nicht so aussieht, als ob die Genetik hier im großen Umfang Erklärungs- und Behandlungspotenzial besitzt. Allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass genetische Faktoren existieren, die im Zusammenhang mit Depression stehen.

Nachtrag: Nach einem freundlichen Hinweis von Stephan Schleim hier in den Kommentaren habe ich diesen Beitrag überarbeitet, um Missverständnissen vorzubeugen.

Stephan Schleim: Doch kein Depressions-Gen, telepolis, 2009.

Ein Mittel gegen gute Laune

April 26th, 2010

Das amerikanische Satiremagazin “The Onion” ist bekannt für seinen bösen Humor, vergleichbar mit der deutschen “Titanic”. Auf der Webseite der Onion gibt es ein Video, das der Frage nachgeht, wie man die “unerträglichen Gutgelaunten” wieder “gesund” machen und wie man sich einfach wieder normal beschissen fühlen kann. Vorgestellt wird das Medikament Despondex gegen Fröhlichkeit: “Ein großer Schritt vorwärts im Kampf gegen Ausgelassenheit”, wie die Fachleute von The Onion sagen.
Leider ist das Video kontraproduktiv – Lachen macht gute Laune.