Archive for the ‘Psyche’ category

Würg dich nicht selbst ab

April 20th, 2010

Man kennt das: in einer besonders angespannten Situation, in der man etwas auszuführen hat, was man sonst gut beherrscht – bei einem Vortrag, einem Wettkampf, einer Prüfung usw. – “versagen die Nerven” und man erzielt ein schlechteres Ergebnis als das, was man eigentlich auf dem Kasten hat. Der Grund sind Zweifel und überflüssige Gedanken, die die Handlung beeinträchtigen. Jonah Lehrer hat einen Artikel zu diesem Phänomen geschrieben – “Don’t choke”:

Die Hauptursache dieses “Verschluckens” ist “zuviel denken”, weil wir anfangen Handlungen zu analysieren, die am besten auf Autopilot durchgeführt werden.

Besser, man vermeidet selbstreflexives Denken in solchen Situationen. Einen Vorschlag macht Lehrer, wie man sich mental vielleicht davor wappnen kann: an ganz allgemeine, positive Aspekte der Handlung denken, an “ganzheitliche Schlüsselworte”, wie Psychologen sie nennen, zum Beispiel beschreibende Adjektive wie “ruhig” oder “ausgeglichen”

Depression verringern: Lernziele statt Selbstwertziele

April 9th, 2010

Hier wird von einer Studie berichtet, die besagt, dass Menschen, die kognitiv verletzbar sind, also ein beschädigtes Selbstwertgefühl besitzen, Ziele anstreben, die den Selbstwert stärken beziehungsweise nicht verringern. Menschen mit stabilerem Selbstwertgefühl bevorzugen dagegen Lernziele. Menschen, die danach streben, Verletzungen des Selbstwertgefühls zu vermeiden, tendieren in Stresssituationen dazu, defensive, selbstbehindernde Verhaltensweisen anzunehmen (Rückzug, Grübelei usw.). Menschen mit Lernzielen dagegen neigen in solchen Situationen zu Problemlösungsverhalten. Um Depressionen zu lindern sei es daher hilfreich, sich von Selbstwertzielen auf Lernziele umzuorientieren und die negativen Überzeugungen bezüglich des eigenen Selbstwertes zu verbessern. (“A key to alleviating depression is fostering a shift from self-worth goals to learning goals and from the beliefs underlying self-worth goals to the opposite beliefs.“)

Studie: How goals and beliefs lead people into and out of depression.from Review of General Psychology – Vol 13, Iss 4 by Rothbaum, Fred; Morling, Beth; Rusk, Natalie

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Umschalten! Freundlichkeit macht widerstandsfähiger

March 18th, 2010

Image by Toymanron, morguefile.com

Wenn man auf seinen zurückgelegten Lebenslauf zurücksieht, so kann man in Vorwürfen gegen sich selbst leicht zu weit gehen.” (Arthur Schopenhauer)

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Das Leben hält viele Widrigkeiten bereit – im Großen wie im Kleinen. Philosophen, Sozialreformer und Psychologen singen seit Ewigkeiten ein Lied davon. Einige erleben weniger Belastungen, oder können sie besser wegstecken, andere verlieren den Mut, sind seelisch niedergeschlagen. Ganz unabhängig davon, ob und wie man entmutigende Umstände ändern kann – politisch, moralisch, kulturell, psychologisch – es ist möglich und überlebenswichtig, die psychische Widerstandsfähigkeit und ein positives Selbstbild zu stärken.

Viele Menschen haben Selbstzweifel verinnerlicht, die ihnen aus der Kindheit oder aus ungleichen sozialen Beziehungen oder aus falschen populären Klischees in der Öffentlichkeit erwachsen sind. Unsere Gedanken werden durch diesen Filter aus vergangenen und gegenwärtigen Informationen getrübt. Die Selbstwahrnehmung wird negativ eingefärbt, Motiviation und Agilität werden ausgehölt. Aber warum sollte man in einer Welt, in der man Kränkungen, Niederlagen und Mangel erlebt, zu sich selbst unfreundlich sein? Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund.

Man kann etwas dafür tun, seine Gedanken und seine Stimmungslage wieder auszubalancieren. Man kann mehr freundliche Achtsamkeit in der Wahrnehmung des eigenen Selbst üben. “Sei freundlich zu dir selbst – in einer bewussten Weise.” Dies hat nichts mit Egoismus zu tun, der ein Fehler ganz eigener Art ist, mit dem man letztlich sich selbst Schaden zufügt.

So wie unser Gehirn eine natürliche Tendenz hat, alarmierende, negative Faktoren besonders aufmerksam wahrzunehmen, um uns vor Risiken zu schützen, so ist es andererseits aber auch möglich, durch bewusste Lenkung der Wahrnehmung auf positive, freundliche Gegebenheiten, ein positives Selbstvertrauen aufzubauen. Der Effekt des Lächelns ist real – es gibt definitv keinen objektiven Grund, der es überflüssig macht, das Lächeln von Mitmenschen oder auch das symbolische Lächeln eines sonnigen Tages, einer Blumenwiese oder eines geliebten Kunstwerkes ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu holen. Freundlichkeit sich selbst gegenüber und Achtsamkeit für die freundlichen Momente des Lebens sind wirksame Mittel, das Gehirn von einer selbstschädigenden hin zu einer förderlichen Funktionsweise neu zu justieren.

Wer eines Beispiels bedarf: Menschen in schwierigsten Situationen (wir alle kennen historische Vorbilder), sei es der traumatische Verlust von lieben Personen, sei es Unterdrückung und Inhaftierung in Unrechtsregimen, sei es in der Bewältigung einer übermenschlichen Katastrophe – haben mit dieser Achtsamkeit für sich und für das Gute in ihrer Umwelt nicht nur ihre verzweifelte Lage bewältigt, sondern auch vielen anderen die Kraft gegeben, Mut und Lebenswillen zu behalten.

Das Leben hält viele Widrigkeiten bereit – im Großen wie im Kleinen. Achtsamkeit und Freundlichkeit schaffen die Ressourcen, die uns die Kraft geben, das Gute zu tun und zu sehen und diese Tendenz dadurch weiter bestärken.

Gehässigkeit macht (dich) unglücklich

March 1st, 2010

Image by paulabflat, morgueFile.com


Sarkasmus, Häme, kleine Gehässigkeiten gehen oft unbemerkt über die Lippen. Ich beobachte das auch an mir: Ein spöttisches Urteil über etwas, dass nicht so ist, wie ich es für richtig (und natürlich nach meiner Überzeugung für evident) halte, ist schnell dahingesagt. Eine Dummheit, die mir manchmal wenigstens anschließend bewusst wird. Meine Dummheit.

Gehässigkeit ist ein Gift, dass seine Wirkung oft noch über den Moment hinaus tut, in dem es angewandt wurde. Sie ist tückisch – manchmal wirkt sie schlagartig, manchmal schleichend, in jedem Fall aber ätzend wie Säure. Und darüberhinaus – oft verkannt, aber nicht zu unterschätzen – wirkt sie auch auf den zurück, der sie hervorgebracht hat.

Gehässigkeit zwingt uns in eine Angriffs- und Verteidigungsbereitschaft, die die Tendenz hat, sich zu einer Disposition zu entwickeln, die die Wahrnehmung und Reaktionsweisen immer mehr beeinflusst. Sie “wächst an und vernichtet mich” – so die buddhistische Warnung.

Gehässigkeit taucht nicht nur in dramatischen Auseinandersetzungen auf, sie ist überall in den vielen verschiedenen Kommunikationssituationen des Alltags zu finden, in kleinen und großen Dosen – in politischen Debatten, im Internet, auf Autoaufklebern, in Beziehungen usw. Häme, Sarkasmus, Zynismus, Ironie, Spott – die Übergänge sind fließend. Es ist nur ein kleiner Schritt von der befreienden Wirkung von Humor und Ironie zu nutzlosem Spott und Zynismus. Es ist wichtig, sich diese feine, aber entscheidende Grenze zu verdeutlichen. Man gewinnt Nichts durch verletztende Aussagen, aber man schadet zusätzlich der eigenen Sache. Nur der kritiklose Fan spendet billiger Häme und anderen verbalen Gehässigkeiten Applaus, der nüchterne Beobachter gewinnt einen ganz anderen Eindruck.

Mit Gehässigkeit steht man dumm da, jedenfalls für die Außenstehenden. Und sie hat desaströse Auswirkungen für die eigene Glücksbilanz. Man betritt mit ihr das rutschige, abschüssige Parkett von getrübter Wahrnehmung und Aggression. Da hilft es auch nichts, wenn man sich einredet, dass das schließlich alle machen. Eine solche Rechtfertigung ist zwar moralisch falsch, aber hier geht es gar nicht um Moral. Es geht um Glück und Kommunikation. Und da ist Gehässigkeit nicht nur nutzlos, sondern schädlich – für einen selbst und die Sache, um die es jeweils geht. Psychologische, politische und rhetorische Tricks zur Überwindung des Gegenübers waren schon immer kurzsichtig. Es liegt in ihrer Natur, dass sie nicht der Wahrheitsfindung dienen. Und es gibt nicht einen einzigen Menschen, der, wenn er damit Erfolg hatte, glücklich war. Darum ist es besser, Schopenhauers berühmte “Eristische Dialektik” – 38 rhetorische Tricks, um selbst mit der Unwahrheit Recht zu behalten – zu kennen (nämlich um nicht darauf hereinzufallen), als sie anzuwenden.

Um sich ausgeglichener (und glücklicher) zu fühlen, kann man Folgendes tun:

– Gehässigkeit, Häme, Spott und Zynismus vermeiden

– eigene Ironie und Sarkasmus beobachten: sie sind manchmal angebracht, aber nur, solange man sie überlegt und dosiert verwendet. Dauerfrotzeleien nerven und schaden – nicht zuletzt dir selbst.

– wenn es etwas gibt, dass du kritisierst, vergiss nicht, dass Kritik ohne Gehässigkeit überzeugender und wirkungsvoller ist, und dass vor allem deine eigenen Alternativen eine positive Darstellung benötigen.

– Vergifte deine Gedanken und Emotionen nicht durch Gehässigkeit


Dazu passend hier im Blog: Wie wir andere Menschen beurteilen ist ein Indikator unserer eigenen Persönlichkeit

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Interessante Links:
Research Digest Blog: At what age do children recognise the difference between sarcasm and irony?

Die richtige Balance zwischen positivem und negativem Denken

February 23rd, 2010

Glasses“An den Pessimismus gewöhnt man sich zuletzt wie an ein zu enges Sakko, das sich nicht mehr ändern lässt.” (André Gide)

Negatives Denken kann sich wie ein Schleier über alles legen, was man denkt, fühlt und erlebt. Es wirkt wie ein Filter, der die positiven Elemente abschwächt oder sogar ganz verdeckt. Darüberhinaus ist das Negative psychologisch meistens wirkungsvoller als das Positive, das schneller verblasst. Angst ist eine evolutionäre Strategie, Gefahren zu vermeiden. Sie ist ein entwicklungsgeschichtlich alter, tiefverwurzelter Mechanismus bei Tier und Mensch. Das darüber Gelernte ist sehr lange abrufbar – und wenn es abgerufen wird, so geschieht dies rasend schnell und meistens nicht kontrollierbar, sondern unbewusst.
Es ist idiotisch, wenn man sich freiwillig beim negativen Denken aufhällt, weil es lähmt und runterzieht. Motivation und Lebensfreude sind optimistisch. Sie sind der Treibstoff, der uns Aufgaben in Angriff nehmen lässt. Positives Denken hilft, Verzagtheit zu überwinden.

Der Streit um das Für und Wider von Pessimismus und Optimismus, von negativer und positiver Einstellung, ist uralt. Die Vorwürfe, die man dem Optimismus macht, sind auf den ersten Blick scharfsinnig und realistisch: Optimisten wandeln auf Wolken und verkennen die Realität. Sie gehen mit ihren Seifenblasen auf die Nerven. Im schlimmsten Fall unterlassen sie in ihrer rosaroten Ignoranz die notwendigen Vorkehrungen zur Abwendung schädlicher Entwicklungen.

Bien. Zuviel Optimismus hier, zuviel Pessismus da. Und in beiden Fällen zu wenig Realismus. In beiden Fällen Übertreibung, Irrtum, Illusion. Oder – wie es die alten Griechen nannten – Wahn. Das Ziel aber des guten Lebens – sagte schon der Philosoph Antistehenes – ist Freiheit vom Wahn. Es kommt beim positiven Denken also darauf an, sowohl pessimistische Übertreibungen als auch optimistische Illusionen zu vermeiden. Auf das richtige Maß, die richtige Balance kommt es an.

Balance ist für uns Gewohnheitstiere eine ständige Herausforderung. Allzu leicht legen wir uns auf Prinzipien fest und unsere Verhaltensweisen werden zu Gewohnheiten. Wir verlieren schnell die Fähigkeit, Gelerntes, „Abgesunkenes“ auf den Prüfstand zu stellen.

Positives Denken hat klare Vorteile. Es fühlt sich gut an, es erzeugt Freude, es verändert die Denkweise und es gibt Kraft, Pläne in die Tat umzusetzen. Realismus ist dabei nicht nur erlaubt, sondern zwingend erforderlich. Dazu gehört, dass negative Gedanken und Gefühle zugelassen werden. Denn die Realität ist so, dass negative Erfahrungen dazu gehören:
Appropriate negativity keeps us grounded, real, and honest.” (Barbara L. Fredrickson, Positivity, S. 159)

Unsere Freiheit und unsere Macht über die Dinge sind sehr begrenzt. Philosophen verstehen dies als Bedingung unserer Freiheit. Schriftsteller haben uns eindrucksvolle Beispiele dafür gegeben, wie dieser Umstand Begeisterung hervorruft – oder Niedergeschlagenheit.

Halten wir uns an das Positive.

Know that joy is rarer, more difficult, and more beautiful than sadness. Once you make this all-important discovery, you must embrace joy as a moral obligation.” (André Gide)

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“Bitte lächeln!” – Validation, ein Kurzfilm

February 16th, 2010

“Validation” ist ein wunderbarer Kurzfilm von Kurt Koenne, der zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat. Er soll ein “Märchen über die Magie kostenlosen Parkens” sein – diese Beschreibung ist allerdings eine kleine poetische Irritation. Genauso irritierend ist die Hauptfigur, gespielt von TJ Thyne, der mit Freundlichkeit und Komplimenten den Alltag im Parkhaus eines Shoppingcenters durcheinanderwirbelt – bis er ein neues Foto für den Führerschein braucht, auf dem Lächeln allerdings nicht erlaubt ist …