Wenn der Chef ein Arschloch ist …

July 26th, 2010 by Björn No comments »

… muss man sich emotional schützen, solange man aus dem Job nicht raus kann. Der Organisationspsychologe Robert Sutton von der Stanford University empfiehlt, emotionale Distanz zu den herabwürdigenden Arbeitsverhältnissen zu entwickeln, um das Selbstwertgefühl zu schützen. An sich wären unter günstigen Umständen Leidenschaft und Engagement besser – für die Arbeitsergebnisse und die eigene Befriedigung. Unter einem miesen Boss oder in einer vergifteten Arbeitsumgebung kann uns leidenschaftliches Engagement aber zur Verzweiflung oder in die Mutlosigkeit treiben. Einen Schritt zurückzutreten und Distanz zu wahren, kann davor schützen. Mehr dazu in Robert Suttons Blogpost “The Fine Art of Emotional Detachment – Why Indifference is as Important as Passion“.

Sutton ist der Autor des Buches “Der Arschloch-Faktor“, in dem er auf erfrischende Weise erklärt, dass die Bedeutung von Arschlöchern im Arbeitsleben chronisch unterschätzt wird. Sie frustrieren die Mitmenschen und schaden dem Unternehmen. Wer davon betroffen ist, sollte Suttons Anti-Arschlochstrategie ausprobieren. Und Unternehmen sollten aus ökonomischen und aus ethischen Gründen für ein positiveres Arbeitsklima sorgen und Arschlöchern Einhalt gebieten.
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Zum selben Thema hier im Blog: Was macht einen guten Chef aus?

Ist Neuroplastizität ein leerer Begriff?

July 24th, 2010 by Björn No comments »

In der Psychologie und den Neurowissenschaften der letzten Jahre ist häufig von Neuroplastizität die Rede. Mehr oder weniger ist damit gemeint, dass “der Geist durch Erfahrungen geformt” wird, wie beispielsweise Stefan Klein in seinem empfehlenswerten Buch “Die Glücksformel” schreibt.
Im Blog Mind Hacks ist nun ein Beitrag erschienen, der feststellt, Neuroplastizität sei ein schmutziges Wort (“Neuroplasticity is a dirty word“). Da das Gehirn eben prinzipiell veränderbar sei, würde “Neuroplastizität” Nichts erklären, wenn man nicht beschreibt, wie diese Veränderung zustandekommt. Obwohl der Begriff so populär ist, würde in der Regel außer Acht gelassen, dass er in verschiedenen Bereichen Unterschiedliches bedeutet (strukturelle Veränderungen, funktionelle Veränderungen oder das Lernen von Gewohnheiten). In einem zweiten Beitrag wird gezeigt, dass Veränderungen und Anpassungen des Gehirns schon seit über 100 Jahren in der Wissenschaft diskutiert werden (“Neuroplasticity is not a new discovery“).

Ich finde eine gesunde Skepsis bei Begriffen, die einem Hype unterliegen, auch immer sehr angebracht. Es ist allerdings gar nicht immer so leicht, eine nüchterne Bewertung der Vorzüge und möglichen Irrtümer einer populären Terminologie vorzunehmen. Einerseits möchte man überzogene Interpretationen und Verheißungen, also den ganzen Schindluder, der mit so einem Modewort einhergeht, loswerden. Andererseits läuft man Gefahr, selbst zur Sprachpolizei zu werden, die blind ist für die wertvollen Anregungen, die in den Darstellungen mit dem “schmutzigen Wort” enthalten sind.

Entsprechend scheint mir der Beitrag auf Mind Hacks übers Ziel hinauszuschießen, denn die Feststellung, dass jede Erfahrung das Gehirn verändert, macht den Begriff meines Erachtens nicht bedeutungslos, sondern gerade so interessant. Offenbar ist Neuroplastizität ein wesentliches Merkmal des Gehirns, und deshalb sind Versuche ihrer Erklärung notwendig.
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Lieber beschäftigt als bequem?

July 23rd, 2010 by Björn No comments »

Der Mensch hat eine instinktive Tendenz, Müßiggang, Bequemlichkeit oder Faulheit gegenüber einer aufwändigen Beschäftigung zu bevorzugen. Zwar hat die Faulheit Einiges für sich, wenn man an das Lob der Faulheit denkt, das Philosophen wie Jean-Jacques Rousseau ausgesprochen haben.
Aber wie so oft muss man wohl genauer differenzieren. Der Verhaltensforscher Christopher Hsee hat in Studien herausgefunden, dass Aktivität und Beschäftigung zufriedener machen als bequemes Nichtstun. Oft soll es besser sein, irgendeine harmlose Aktivität auszuüben als dem Nichtstun oder einer destruktiven Aktivität nachzugehen.

Quelle: British Psychological Society – Research Digest

Motivation durch Autonomie und sinnvolle Zwecke

July 2nd, 2010 by Björn No comments »

Die RSA, die Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures and Commerce, lädt regelmäßig Fachleute aus verschiedenen Bereichen ein, um inspirierende Ideen vorzutragen, die sie in ihrem Betätigungsfeld gesammelt haben.

Der Ökonom Dan Pink hat einen Vortrag zu ungewohnten Erkenntnissen über Antrieb und Motivation von Menschen gehalten, der in dem folgenden Video in einer faszinierenden Animation dargestellt wird. Zunächst führt Pink aus, dass das verbreitete Konzept von Motivieren durch Belohnen und Strafen nur sehr eingeschränkt gültig ist, nämlich nur für solche Aufgaben, die regelmäßig, mechanisch und ohne kognitive Anforderungen zu erfüllen sind. Sobald aber Kreativität und Kopfarbeit einen Teil der Arbeit ausmachen, führen hohe Belohnungen überraschenderweise zu schlechteren Ergebnissen.

Systeme, die auf Belohnen und Strafen aufbauen, lassen aber in der Regel eine andere Art von Motivation völlig außer Acht – nämlich intrinsische Motive. Menschen werden nicht nur für Geld oder zur Befriedigung biologischer Grundbedürfnisse aktiv, sie tun daneben auch Dinge, die sie interessant finden, die innere Befriedigung liefern oder die einem größeren Zweck dienen. Und genau diese Motivationsfaktoren sind es, die in der Arbeitswelt zwar meistens ignoriert werden, die aber sowohl gute Ergebnisse befördern als auch eine größere Befriedigung verschaffen. Autonomy, Mastery and Purpose nennt Pink diese Faktoren, die zentral für den Menschen sind, weil wir nicht nur Profitmaximierer, sonder auch Zweckmaximierer seien. “We are not endlessly manipulable” – wir sind nicht endlos manipulierbar, sagt Pink.
Dort, wo die intrinsischen Motivationsfaktoren – Autonomie, Eigenregie, Sinnerfüllung – eine Rolle spielen, entwickeln die Beteiligten Engagement, und deshalb neue, gute Ideen und gute Ergebnisse. “They make us better off, and the world a little bit better.”

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Nachtrag: Der Ökonom Dan Ariely spricht in einem Vortrag ebenfalls über “irrationale Anreize“, also darüber, dass und warum finanzielle Anreize nicht immer erfolgreich motivieren.

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Das Faszinierende der Genüsse: Psychologischer Essentialismus gegen den Fatalismus der Evolutionären Psychologie

June 30th, 2010 by Björn No comments »

Paul Bloom, Professor für Psychologie an der Yale University, hat mit “How Pleasure Works” ein interessantes Buch über die edlen und weniger noblen Ursprünge menschlicher Freuden geschrieben. Die Rezensenten des Buches (eine Auswahl auf der Webseite des Autors) zeigen sich begeistert, zumal Bloom offenbar interessante neue Perspektiven auf psychologische Phänomene aufweist. Insbesondere in den USA, aber auch bei uns in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen hat die Evolutionäre Psychologie viele Interpretationen der letzten Jahre geprägt. Bloom wendet stattdessen einen Psychologischen Essentialismus an, was allerdings nicht bedeutet, dass er sich damit gegen die Evolutionäre Psychologie stellt. Dies zeigt eine interessant zu lesende E-Mail-Diskussion von Bloom mit dem Psychologen Peter Kramer, die auf slate.com zu lesen ist. Sie vermittelt einen Eindruck zum Einen von den Leistungen einer Evolutionären und einer Essentialistischen Psychologie, zum anderen davon, welche Bedeutung Genüsse im Leben haben.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus der ersten E-Mail von Peter Kramer, der sich mit evolutionären Erklärungen von Depressionen nicht zufrieden gibt (mehr dazu im Verlauf dieser E-Mail-Diskussion):

I tend to get grumpy about modern psychology on two counts: It is besotted with Darwin, and it defines the social universe in terms of what is readily measured. The focus on natural selection creates a temptation to conclude that what ever it is (e.g., depression) is good, because it has survived. …
It’s easy to demonstrate that tasters prefer cheap wine when it’s presented in fancy bottles. That experiment is cited in almost every overview on the topic of choice. … But what we get wrong is easier to discuss than what we get right. How is it that, when they’re not fooled, humans can be oenophiles, discerning and enjoying subtle differences between vintages of burgundy? … Psychology is less attentive to drinks than to the containers that hold them. …
Much of your answer derives from a reasonably new movement in psychology, essentialism. That perspective takes into account the notion that humans go beyond thinking about qualities (like piquancy) to interacting with entities (like home cooking). We believe, as you put it, “that things have an underlying reality or true nature that one cannot observe directly and it is this hidden nature that really matters.”

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Gute lebendige Beziehungen und Anerkennung im Job sind wichtig fürs Glück

June 29th, 2010 by Björn No comments »

Statische Zustände wie “verheiratet sein” oder “Arbeit haben” sind weniger ausschlaggebend für das subjektive Glücksempfinden als Ereignisse wie “eine neue Beziehung anfangen” oder “eine Belohnung im Job erhalten”. Eine statistische Studie, die 2007 unter dem Titel “Measuring the impact of major life events upon happiness” im International Journal of Epidemiology erschienen ist [via], hat Daten des Britischen Household Panel Survey ausgewertet, und stellt fest, dass das Eintreten von Einzelereignissen den größten Beitrag zum Glücksempfinden von Individuen leistet. Dementsprechend haben gute dynamische zwischenmenschliche Beziehungen sowie Arbeitsverhältnisse, in denen Anerkennung immer wieder erlebt wird die größte Bedeutung im Leben.
Ein einmal erreichter Status verliert mit der Zeit seine Relevanz für das Glücksempfinden – dieser Gratifikationszerfall ist empirisch gut belegt (Achtsamkeitsübungen oder beispielsweise ein Gute-Dinge-Tagebuch sind gute Methoden, diese “Glücksverluste” einzudämmen.) Daher sind menschliche Beziehungen, Jobs, Ausbildungsverhältnisse und so weiter, die dynamisch immer wieder mal zu positiven Ereignissen führen, von zentraler Bedeutung für das Glücksempfinden. Dies gilt zwar auch für materielle Ereignisse wie den Autokauf, aber der Abnutzungseffekt materiellen Zugewinns ist auch gut belegt, und daher als Glücksstrategie im Sinne einer kontinuierlichen und langanhaltenden Förderung der Zufriedenheit nur in Einzelfällen geeignet.
Menschliche Beziehungen und ein Job, der Anerkennung bietet, sind die wesentlichen Faktoren für ein glückliches Leben.

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Dazu passend: Eric Barker, von dem auch der Hinweis auf die oben genannte Studie stammt, hat einen wertvollen Tipp, wie man seine Beziehung verbessert: Eine Studie, die unter dem Titel “How was your day?” veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass positive Gefühle verstärkt wurden, wenn man seinem Partner von einem positiven Ereignis des Tages erzählt hat. Und ebenso positiv wirkt es sich aus, wenn der Partner von seinem positivsten Tagesereignis berichtet.