Sachen schaffen trotz Internet – Tipps gegen Internetsucht

September 15th, 2011 by Björn No comments »

Das Internet schlägt viele von uns in seinen Bann. Dies ist eine Tatsache – unabhängig von der Diskussion über Sinn oder Unsinn des Internet an sich, denn in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch im Privaten zur Erledigung von Formalitäten, für Information und Kommunikation, kommt man kaum, und in Zukunft immer weniger, um das Internet herum.

Was aber, wenn man zu sehr hineingezogen wird, wenn man nicht mehr ausschalten kann, wenn aus ein paar Minuten, um mal eben etwas zu erledigen, ein paar Stunden werden? Wenn man sich fragen muss, ob man der Onlinesucht erlegen ist? Gibt es unüberwindliches Verlangen, durchs Internet zu streifen, und vernachlässigt man dabei andere Dinge, die wichtig sind? Der Psychologe Rolf Merkle hat einen Online-Test erstellt, mit dem man anhand von 20 Fragen eine erste grobe Einschätzung erhält, wie süchtig man ist. Vermutlich wird man aber schon selbst zu der Erkenntnis gelangt sein, wenn zu oft Dinge unerledigt bleiben, wenn zu viele Stunden verloren gingen, wenn man die Flut aus dem Netz nicht recht eindämmen kann.

Wer davon überwältigt ist und wieder ein Stück seiner produktiven Zeit zurückgewinnen will, kann möglicherweise mit der richtigen Motivation Einiges erreichen. Dafür hier 4 Tipps, die helfen, Sachen zu schaffen:


Tipp 1
– die 15-Minuten-Regel:
– Man sucht sich eine Aufgabe von seiner Liste der unerledigten Dinge.
– Man setzt sich eine feste Zeit, in der man konzentriert an dieser Aufgabe arbeitet – z.B. 15 Minuten.
– Man arbeitet konzentriert an der Sache.
– Nach Ablauf der Zeit macht man eine kurze Pause.
Resultat: Man schafft Schritt für Schritt zu erledigende Dinge, und mit jedem Schritt bekommt man ein gutes Gefühl – im direkten Gegensatz zu 15 Minuten verlorener Zeit durch zielloses Internetsurfen.

Tipp 2 – Konkrete Aktionen und Ziele statt Aufgaben formulieren
– Wer eine lange To-Do-Liste hat, verliert leicht das Ziel aus den Augen.
– Es ist sehr hilfreich, konkrete Ziele und Resultate zu formulieren: “Ich werde heute Abend die Steuererklärung gemacht haben”, “ich werde Montag den Artikel einreichen” usw.
– Nicht alle Aufgaben lassen sich so motivationspsychologisch umschreiben, insbesondere Detailschritte zur Erreichung eines größeren Ziels nicht. Dann formuliert man Aufgaben, aber möglichst mit dem betreffenden Verb, das die auszuführende Aktion beschreibt: “Update installieren”, “Gebühr überweisen”, usw.

Tipp 3 – Ziele visualisieren
– Ein Klassiker der Motivationstechnik: stellen Sie sich vor, Sie haben die Aufgabe erledigt. Wer angestrebte Ziele visualisiert, erhält einen guten Motivationskick, mit der Sache anzufangen, und bei der Sache zu bleiben.

Tipp 4 – Ziele in Frageform formulieren
– Eine psychologische Studie hat herausgefunden, dass Probanden, die ihre Ziele in Frageform formulierten, insgesamt mehr von dem erledigten, was sie sich vorgenommen hatten. “Werde ich heute Abend den Antrag fertighaben?”, “Werde ich heute die beiden lästigen Telefonate führen?”
– Ein wenig scheint dieser Tipp den Ausführungen in Tipp 4 zu widersprechen. Ich bin mir nicht sicher, was bessere Resultate produziert. Wer Interesse hat, kann Tipp 4 ja mal ausprobieren.

Und schließlich noch eine Binsenweisheit – was ja nicht immer das Schlechteste ist: einfach mal rausgehen, den Computer und das Handy auslassen oder ignorieren, Kino, Treffen mit Freunden, Zeit mit der Familie, Sport oder was immer ansteht, genießen – und die Akkus werden wieder ein Stück aufgeladen.

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Willensstärke – Selbstkontrolle für ein gelingendes Leben

September 10th, 2011 by Björn No comments »

Steven Pinker, Professor für Psychologie an der Harvard Universität, ist nicht nur für seine wissenschaftlichen Beiträge bekannt, sondern auch als Autor zahlreicher populärwissenschatlicher Bücher, in denen er Resultate der Hirnforschung, Psychologie und Philosophie einem breiten Publikum verständlich erklärt. Er schreibt auch häufig Artikel für große Zeitschriften und Zeitungen, wie zuletzt wieder für die New York Times unter den Titel “Das süße Geheimnis der Selbstkontrolle” (Englisch).

In diesem letzten Artikel geht es aber nicht um eines seiner eigenen Bücher. Diesmal empfiehlt Pinker ein neues Buch über Willensstärke, dass der Psychologe Roy Baumeister zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten John Tierney geschrieben hat.

Willensstärke, Selbstkontrolle – das klingt wie das Vokabular eines lustfeindlichen, hölzernen Moralpredigers, der steife Disziplin fordert, die völlig unrealistisch ist. Aber man kommt kaum umhin, zuzugeben, dass wir häufiger und stärker als je zuvor erleben, dass dies Fähigkeiten sind, die uns aus dem Teufelskreis der menschengemachten Ablenkungen und Selbstschädigungen herausführen könnten: im Alltag haben wir enorme Schwierigkeiten, weniger zu essen, zu trinken und zu konsumieren; wir kommen nicht vom Fernseher oder vom Computer los, und sind abhängig von Alkohol, Nikotin oder sogar Kokain. Was ist los mit unserer Fähigkeit, unser Leben in den Griff zu bekommen, und die schlechten oder maßlos übertriebenen Angewohnheiten einzugrenzen?

Baumeister hat herausgefunden, dass Willensstärke ähnlich wie ein Muskel ist. Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen ermüdet der Wille nach einer Anstrengung, und dann übt man ziemlich sicher weniger Kontrolle über sich selbst aus.

Andererseits kann Selbstkontrolle aber auch trainiert werden. Dies sollte man am besten in kleinen und regelmäßigen Einheiten tun. Auf keinen Fall sollte man gleich die große Verhaltensänderung bei allen schlechten Angewohnheiten gleichzeitig in Angriff nehmen – denn dabei ist das Scheitern und die Überforderung der Willensstärke vorprogrammiert. Und man sollte auch nicht gleich als erste Trainingsaufgabe eine Diät beginnen – denn der Wille braucht Zucker, nicht nur sprichwörtlich.
Lieber kleine Schritte, die aber regelmäßig – diese oft empfohlene Faustformel ist psychologisch gut untermauert.

Außerdem hilft es, Gelegenheiten, die einen Entschluss gefährden, zu meiden. “Fessele dich an den Mast wie Odysseus oder stopf dir Wachs in die Ohren”, so diese Empfehlung in Pinkers Worten.

Willensstärke, Willenskraft, Motivation oder Selbstkontrolle ist der wichtigste Faktor für ein erfolgreiches und zufriedenstellendes Leben – das zeigt die psychologische Forschung. Es sieht so aus, als seien Senecas stoische Lebenstipps gar nicht so weltfremd, wie seine Gegner unken. Es kommt darauf an, sie in ein realistisches Lebenskonzept einzubetten, ohne in puritanische Moralistik zu verfallen. Dieser Unterschied ist entscheidend: das eine ist das Gute, das andere ist unrealistsich und schädlich.

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Wie wir andere Menschen beurteilen ist ein Indikator unserer eigenen Persönlichkeit

June 30th, 2011 by Björn No comments »

“Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind” – das ist eine Auffassung, die schon antike Philosophen wie Epikur und Mark Aurel formuliert haben, und die zum Beispiel auch Arthur Schopenhauer zustimmend zitiert. Auch Buddha wird sie zugeschrieben.

Und dieser schon lange bekannte Sachverhalt hat sehr reale Bedeutung für unser persönliches Wohlbefinden: Wie wir andere Menschen beurteilen, sagt viel über uns selbst aus – manchmal mehr als über die Anderen. Es ist einer der wichtigsten Indikatoren für unser eigenes Verhalten.

Im “Journal of Personality and Social Psychology” wurde 2010 eine Studie veröffentlicht, in der die Psychologen Dustin Wood, Peter Harms und Simine Vazire diesen Sachverhalt untersucht haben. Sie wollten herausfinden, wie die Wahrnehmung anderer Personen mit den Einstellungen der Beurteiler verbunden ist. Wie wir andere Menschen beurteilen ist eine wichtige Ursache für das eigene Verhalten. Und tatsächlich wurden deutliche Verbindungen zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Wahrnehmung Anderer gefunden.

Menschen, die andere Personen positiv wahrnehmen (z.B. als “interessant”, “glücklich”, “freundlich”), sind tendenziell freundlicher, weniger aggressiv, zufriedener, zuverlässiger, emotional stabiler und haben ein geringeres Risiko, Persönlichkeitsstörungen wie Depression und Narzissmus auszubilden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie von anderen Menschen positiv gesehen werden, ist größer, und sie erleben das Miteinander positiver. Sie haben eine positivere Selbstwahrnehmung.
Menschen mit einer negativen Persönlichkeit (weniger Freundlichkeit und Wohlwollen, mehr Feindseligkeit) betrachten andere Menschen häufiger negativ. Ihre Anfälligkeit für Depressionen und andere psychische Leiden ist größer, und ihre Lebenszufriedenheit ist geringer.

Es kommt also durchaus darauf an, wie wir andere Menschen zu sehen bereit sind.

Man kann die Schlussfolgerung daraus auf verschiedene Weise formulieren:

– Überhebliche, missgünstige, arrogante, abschätzige, niederträchtige, fiese, gemeine Personen sind eine Herausforderung. In der Not der täglichen Auseinandersetzung mit ihnen wird man verleitet, sich mit gleichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Hier der Tipp für die, die diese Einstellung nicht für naturgegeben und richtig halten, und die noch in der Lage sind, sich zu fragen, ob es gut ist, dabei mitzumachen: ist es nicht. Man schadet sich nur selbst.

– Lästern macht unglücklich. Schon Schopenhauer bezeichnete es als Feind unseres Glücks.

– Hierher passt auch ein Ratschlag, der dem griechischen Dichter Pindar zugeschrieben wird (aber möglicherweise von dem schottischen Schriftsteller Ian MacLaren stammt): “Sei freundlich, denn jeder, den du triffst, bestreitet einen schweren Kampf.”


Dazu passend hier im Blog: Gehässigkeit macht (dich) unglücklich

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Motivation: Den Spaß in einer Aufgabe sehen

June 15th, 2011 by Björn No comments »

Die Dinge, die uns schwer fallen oder die durch eine gewisse Hartnäckigkeit und Zähigkeit Überdruss erzeugen, gehen nicht leicht von der Hand. Und doch muss man sie irgendwie erledigen. Wenn man es schafft, ihnen einen übergeordneten intrinsischen Wert zuzuordnen, wäre schon viel gewonnen. Manchmal ist das vielleicht ein bisschen viel verlangt. Aber möglicherweise geht es eine Nummer kleiner – indem man herausfindet, was bei der Bewältigung dieser Aufgabe Spaß machen könnte. Spaß bei der Arbeit – das sollte man sich weder von der eigenen inneren Stimme noch von einem Anderen verbieten lassen. Und es ist ein altes Rezept – mit ein bisschen Zucker schmeckt die Medizin besser:

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Wichtig: Über Wünsche und Gefühle reden

April 11th, 2011 by Björn No comments »

In persönlichen Beziehungen ist es wichtig, dass man ausspricht, was einem wichtig ist: wie man sich fühlt, oder was man sich wünscht. Gerade in schwierigen Situationen, wo Unsicherheiten und Missverständnisse bestehen, kommt es darauf an, dass man seine Bedürfnisse klar zum Ausdruck bringt.
Andererseits wissen wir alle, wie schwer es ist, a) zu sagen, was man fühlt und b) die Stimmung dadurch nicht noch komplizierter zu machen. Denn oft sind die Reaktionen auf Gefühlsäußerungen nicht gerade ermunternd und die Missverständnisse scheinen sich zu vervielfachen, so dass man lieber nur teilweise oder gar nicht mitteilt, was einen bewegt. Und das führt dann dazu, dass man selbst in Situationen, wo es angebracht ist und auch wirklich weiterhelfen würde, nicht in der Lage ist, Wünsche und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Man hat dann die berühmte Schere im Kopf, die einen von den wichtigen, authentischen Äußerungen abhält. Und oft ist einem die Schere schon gar nicht mehr bewusst, weil das Zurückhalten solcher Gefühle schon verinnerlicht wurde

Das ist natürlich fatal. Und man sollte daran arbeiten, sich seine Gefühle bewusst zu machen und darüber sprechen zu können. Und man darf gerade auch Selbstvertrauen entwickeln, um zu seinen Bedürfnissen und Ansichten zu stehen. Leider gibt es einige Gründe, die uns davon abhalten, unsere Gefühle und Bedürfnisse auszusprechen, oder dies in einer Weise zu tun, wie es wirklich in unserem Interesse ist.

1. In der Regel haben wir es nicht gelernt, über unsere Gefühle zu sprechen. Beim Heranwachsen war es in der Interaktion mit Eltern, Geschwistern und Mitschülern meistens nicht gerade üblich, in einer verständnisvollen Atmosphäre über Wünsche und Gefühle zu reden. Man kann da den Anderen keinen Vorwurf machen, denn die haben es ja auch nicht gelernt. Denken wir nur mal daran, in was für einer Zeit unsere Eltern aufgewachsen sind, und deren Eltern, und so weiter. Zu Zeiten des Kaiserreichs oder des Nationalsozialismus war “emotionale Intelligenz”, wie das Modewort dafür heute heißt, weitgehend vernachlässigt. Fast jeder hat also in der Familie schon eine gewisse Unfähigkeit erlebt, sich vernünftig und aufrichtig mit Gefühlen auseinanderzusetzen, ohne dass daraus Hohn oder Demütigung entstanden.

2. Oft haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Reaktionen auf die Äußerung von Gefühlen und Bedürfnissen sehr unvorteilhaft waren, so dass sich der Eindruck verfestigt hat, dass es besser ist, unsere Gefühle nicht offen auszusprechen. Da wir aber gar nicht anders können, als unseren Gefühlen zu folgen, weichen wir in strategische Spielchen aus, wie wir sie im Alltag im Kampf um Selbstbehauptung auch viel öfter erleben. Leider führen diese indirekten Selbstbehauptungsstrategien oft zu nichts Gutem. Und insbesondere sind unsere Gefühle auf diese Weise überhaupt nicht klar erkennbar. So MUSS es zu Missverständnissen und Verschlechterung der Beziehung kommen. Wir kommen so also kein Stück weiter, im Gegenteil, wir legen uns auf Auseinandersetzungen fest, die wir überhaupt nicht gebrauchen können.

3. Oft sind wir uns selbst gar nicht im Klaren darüber, was das Beste für uns ist, obwohl wir natürlich einen gegenteiligen Eindruck haben. Indem wir die falschen oder nachrangigen Bedürfnisse verfolgen und dabei auch noch die strategischen Spielchen spielen, stehen wir uns selbst im Weg und können gar nicht ans Ziel kommen. Wir haben das Ziel ja nicht einmal vor Augen.

Hätten wir eine bessere Übung darin, über unsere Gefühle und Bedürfnisse zu reden, und würden wir dies mit mehr gegenseitigem Verständnis und mehr Geduld tun, würden wir wohl auch besser wissen, was gut für uns ist, was wir brauchen. Wir würden jedenfalls nicht so weit davon weggetragen, indem wir streiten und Ersatzkämpfe ausfechten, um uns selbst zu behaupten, oder indem wir unsere wahren Bedürfnisse verschweigen. Es ist in jedem Fall besser, ein wenig achtsam mit sich selbst – und natürlich auch mit den anderen – zu sein. Man kann dadurch nur gewinnen.

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Schlafmangel macht uninteressant

January 6th, 2011 by Björn No comments »

Die Journalistin und Bloggerin Arianna Huffington ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie zählt zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der amerikanischen Medienwelt. Nachdem sie jedoch vor zwei Jahren einen Schwächeanfall wegen Erschöpfung erlitt, betont sie die Bedeutung einer ausreichenden Schlafmenge. Bei der TED-Women-Konferenz hielt sie kürzlich einen Vortrag mit dem Titel “Wie man erfolgreich wird? Mehr schlafen” (“How to succeed? Get more sleep“).

Sehr schön ist eine Anekdote, die sie erzählt: In unserer Kultur gilt der Verzicht auf Schlaf als Symbol für Entschlossenheit und Zähigkeit. Bei einem Dinner prahlte ihr gegenüber ein Mann damit, dass er in der Nacht zuvor nur 4 Stunden geschlaffen hatte. Darauf dachte sie für sich: “Hättest du 5 Stunden geschlafen, wäre dieses Dinner viel interessanter gewesen.” [via]