Das Faszinierende der Genüsse: Psychologischer Essentialismus gegen den Fatalismus der Evolutionären Psychologie

June 30th, 2010 by Björn No comments »

Paul Bloom, Professor für Psychologie an der Yale University, hat mit “How Pleasure Works” ein interessantes Buch über die edlen und weniger noblen Ursprünge menschlicher Freuden geschrieben. Die Rezensenten des Buches (eine Auswahl auf der Webseite des Autors) zeigen sich begeistert, zumal Bloom offenbar interessante neue Perspektiven auf psychologische Phänomene aufweist. Insbesondere in den USA, aber auch bei uns in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen hat die Evolutionäre Psychologie viele Interpretationen der letzten Jahre geprägt. Bloom wendet stattdessen einen Psychologischen Essentialismus an, was allerdings nicht bedeutet, dass er sich damit gegen die Evolutionäre Psychologie stellt. Dies zeigt eine interessant zu lesende E-Mail-Diskussion von Bloom mit dem Psychologen Peter Kramer, die auf slate.com zu lesen ist. Sie vermittelt einen Eindruck zum Einen von den Leistungen einer Evolutionären und einer Essentialistischen Psychologie, zum anderen davon, welche Bedeutung Genüsse im Leben haben.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus der ersten E-Mail von Peter Kramer, der sich mit evolutionären Erklärungen von Depressionen nicht zufrieden gibt (mehr dazu im Verlauf dieser E-Mail-Diskussion):

I tend to get grumpy about modern psychology on two counts: It is besotted with Darwin, and it defines the social universe in terms of what is readily measured. The focus on natural selection creates a temptation to conclude that what ever it is (e.g., depression) is good, because it has survived. …
It’s easy to demonstrate that tasters prefer cheap wine when it’s presented in fancy bottles. That experiment is cited in almost every overview on the topic of choice. … But what we get wrong is easier to discuss than what we get right. How is it that, when they’re not fooled, humans can be oenophiles, discerning and enjoying subtle differences between vintages of burgundy? … Psychology is less attentive to drinks than to the containers that hold them. …
Much of your answer derives from a reasonably new movement in psychology, essentialism. That perspective takes into account the notion that humans go beyond thinking about qualities (like piquancy) to interacting with entities (like home cooking). We believe, as you put it, “that things have an underlying reality or true nature that one cannot observe directly and it is this hidden nature that really matters.”

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Gute lebendige Beziehungen und Anerkennung im Job sind wichtig fürs Glück

June 29th, 2010 by Björn No comments »

Statische Zustände wie “verheiratet sein” oder “Arbeit haben” sind weniger ausschlaggebend für das subjektive Glücksempfinden als Ereignisse wie “eine neue Beziehung anfangen” oder “eine Belohnung im Job erhalten”. Eine statistische Studie, die 2007 unter dem Titel “Measuring the impact of major life events upon happiness” im International Journal of Epidemiology erschienen ist [via], hat Daten des Britischen Household Panel Survey ausgewertet, und stellt fest, dass das Eintreten von Einzelereignissen den größten Beitrag zum Glücksempfinden von Individuen leistet. Dementsprechend haben gute dynamische zwischenmenschliche Beziehungen sowie Arbeitsverhältnisse, in denen Anerkennung immer wieder erlebt wird die größte Bedeutung im Leben.
Ein einmal erreichter Status verliert mit der Zeit seine Relevanz für das Glücksempfinden – dieser Gratifikationszerfall ist empirisch gut belegt (Achtsamkeitsübungen oder beispielsweise ein Gute-Dinge-Tagebuch sind gute Methoden, diese “Glücksverluste” einzudämmen.) Daher sind menschliche Beziehungen, Jobs, Ausbildungsverhältnisse und so weiter, die dynamisch immer wieder mal zu positiven Ereignissen führen, von zentraler Bedeutung für das Glücksempfinden. Dies gilt zwar auch für materielle Ereignisse wie den Autokauf, aber der Abnutzungseffekt materiellen Zugewinns ist auch gut belegt, und daher als Glücksstrategie im Sinne einer kontinuierlichen und langanhaltenden Förderung der Zufriedenheit nur in Einzelfällen geeignet.
Menschliche Beziehungen und ein Job, der Anerkennung bietet, sind die wesentlichen Faktoren für ein glückliches Leben.

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Dazu passend: Eric Barker, von dem auch der Hinweis auf die oben genannte Studie stammt, hat einen wertvollen Tipp, wie man seine Beziehung verbessert: Eine Studie, die unter dem Titel “How was your day?” veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass positive Gefühle verstärkt wurden, wenn man seinem Partner von einem positiven Ereignis des Tages erzählt hat. Und ebenso positiv wirkt es sich aus, wenn der Partner von seinem positivsten Tagesereignis berichtet.

Positiv – und realistisch!

June 28th, 2010 by Björn No comments »

Der Unterschied zwischen mancher Medizin und einem Gift liegt in der Dosis. Dass Vieles, was wir im Leben tun, eine Frage der Ausgewogenheit und des richtigen Maßes ist, gerät erstaunlich oft in Vergessenheit.

So sind denn auch viele Polemiken und Kritiken rund um Pessimismus und Optimismus in einer Weise unausgewogen, dass sie kein brauchbares Ergebnis liefern. Positives Denken wird durch reißerische und großspurige Versprechungen diskreditiert – denn quasi-magische Verheißungen sind nicht nur unbrauchbar, sondern schädlich.
Die pauschale Kritik einer positiven Einstellung auf der anderen Seite ignoriert die Struktur unserer emotionalen und psychischen Ausstattung und verrennt sich nicht selten in eine völlig unplausible Metaphysik, die letztlich nur ein negatives Spiegelbild des unrealistischen Optimismus ist.

Barbara Fredrickson, Professorin für Psychologie an der University of North Carolina, untersucht seit Jahren in empirischen Studien Methoden und Auswirkungen der Förderung positiver Emotionen. In ihrem Buch “Positivity” beschreibt sie, wie Freude, Gesundheit und Kreativität durch positive Einstellungen gefördert werden können, und unterstreicht dabei, dass Aufrichtigkeit und Realismus eine unabdingbare Voraussetzung dafür sind.

In diesem Video der University of North Carolina fasst sie im Interview einige wichtige Elemente ihres Buches zusammen:

Zwei Ausschnitte daraus habe ich hier übersetzt, weil sie wirklich gut die nüchterne Perspektive auf den Nutzen einer positiven Einstellung darstellen:

Ca. ab 2:50 min: “Ich glaube nicht, dass es gesund ist, sich dazu zu zwingen, positiv zu sein. Das kann nach hinten losgehen und zu wirklich vergifteter Unaufrichtigkeit führen. Was nach meiner Feststellung besser ist, ist es, sich locker eine positive Haltung anzueignen, das heißt offen zu sein, anerkennend, neugierig und freundlich – aber vor allem, realistisch zu sein.

Ca. ab 3:55 min:”Wir werden Negativität nie beseitigen. Tatsächlich ist es auch gar nicht gesund, dies zu versuchen. … Andererseits jedoch ist viel von unserer Negativität sinnlos, und es könnte uns allen besser gehen, wenn wir unsere Negativität im Zaum halten, indem wir jene mentale Gewohnheiten hinterfragen, die Öl ins Feuer gießen.

Medizinische Informationen im Internet – Beispiel Mayo Klinik

June 18th, 2010 by Björn No comments »

Eine der großartigen Leistungen des Internet ist es, Informationen über gesundheitliche Aspekte allgemein verfügbar zu machen. Das ist eine große Hilfe, bei kleinen Zipperlein wie auch bei schwereren Erkrankungen, wenn man nicht immer den Arzt konsultieren kann und das dringende Bedürfnisse verspürt, besser informiert zu sein.
Allerdings kennt man auch die Warnungen über unseriöse medizinische Informationen im Internet, die zweifellos ihre Berrechtigung haben. Deshalb ist es notwendig, sorgfältig zu recherchieren und die Information abzuwägen.

Um so erfreulicher ist es, wenn anerkannte medizinische Institutionen im Internet umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung stellen, wie es beispielsweise die Mayo Clinic in den USA tut. Bei der Suche nach den überprüften Wirkungen eines Nahrungsergänzungsmittels bin ich nämlich auf deren Datenbank zu Arzneimitteln und Ergänzungsmitteln gestoßen – auf Englisch Drugs and Supplements, die mir prompt die Antwort auf meine Frage lieferte.

Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

June 9th, 2010 by Björn 4 comments »

Im vorigen Beitrag habe ich die achtsamkeitsbasierende Meditation erwähnt, die unter anderem durch Jon Kabat-Zinn prominent wurde, der sie nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten rekonstruiert hat. Achtsamkeit wird in psychologischen und medizinischen Studien als hilfreiche Ergänzung klassischer Heilverfahren beschrieben. Einen allgemeinverständlichen Überblick findet man beispielsweise bei Gehirn & Geist, einer Zeitschrift, die sicher nicht dem Esoterikverdacht unterliegt. 2006 erschien dort ein Artikel zur Achtsamkeitmethode in therapeutischen Verfahren: “Achtsamkeit – Willkommen im Jetzt!

Einen ersten Eindruck zur Achtsamkeitsmethode kann man in einem YouTube-Video gewinnen, das einen Vortrag von Jon Kabat-Zinn beim Suchmaschinenunternehmen Google zeigt. Der ganze Vortrag dauert etwas über eine Stunde. Nach den Einführungen kommt Kabat-Zinn ca. ab Minute 20 zum Kern der Sache – bei Bedarf also einfach dahinspringen. Eine deutsche Transkription des Videos findet sich hier.


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Einen sehr guten Einstieg in achtsamkeitsbasierende Verfahren bietet das Buch “Stress bewältigen mit Achtsamkeit” von Linda Lehrhaupt, die das Institut für Achtsamkeit und Stressbewältigung leitet. Eine allgemeine Orientierung und Hintergünde zum Thema finden sich in einem Buch, das Daniel Golemann herausgegeben hat: Die heilende Kraft der Gefühle: Gespräche mit dem Dalai Lama über Achtsamkeit, Emotion und Gesundheit. Es enthält Dialoge des Dalai Lama mit westlichen Wissenschaften über die Rolle von Emotionen und Achtsamkeit als Heilmittel.

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Kostenlose Meditationsübungen im Internet

June 3rd, 2010 by Björn No comments »

Bei Zencast (alternative Adresse hier) gibt es derzeit über 250 geführte Meditationsübungen, die unter einer Creative Commons Lizenz stehen, also frei heruntergeladen werden dürfen. Die Übungen sind allerdings auf Englisch. Die einzelnen Episoden widmen sich ganz unterschiedlichen Bereichen, von Einsteigerübungen über Mindfulness bis zu speziellen Themen. Wer ein wenig rumstöbert, hat gute Chancen, etwas zu finden, das zu den eigenen Interessen passt.

Alternativ kann man im Buch “Meditation für Anfänger” (inklusice CD) von Jack Kornfield, der einer der bekanntesten westlichen Meditationslehrer ist, eine Anleitung zur Meditation finden. Kornfield lehrt insbesondere die Vipassana-Meditation, die an keine Religionszugehörigkeit gebunden ist, und in der die Übung von Achtsamkeit im Mittelpunkt steht. Auf der dem Buch beiligenden CD finden sich sechs geführte Meditationen.
Auch Jon Kabat-Zinn, emeritierter Professor aus New York, widmet sich der Achtsamkeitsmeditation. Von ihm gibt es das gut lesbare Buch “Im Alltag Ruhe finden: Meditationen für ein gelassenes Leben“.


Weitere Artikel zum Thema Meditation:
Meditation ohne Religion
Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

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