Der Unterschied zwischen mancher Medizin und einem Gift liegt in der Dosis. Dass Vieles, was wir im Leben tun, eine Frage der Ausgewogenheit und des richtigen Maßes ist, gerät erstaunlich oft in Vergessenheit.
So sind denn auch viele Polemiken und Kritiken rund um Pessimismus und Optimismus in einer Weise unausgewogen, dass sie kein brauchbares Ergebnis liefern. Positives Denken wird durch reißerische und großspurige Versprechungen diskreditiert – denn quasi-magische Verheißungen sind nicht nur unbrauchbar, sondern schädlich.
Die pauschale Kritik einer positiven Einstellung auf der anderen Seite ignoriert die Struktur unserer emotionalen und psychischen Ausstattung und verrennt sich nicht selten in eine völlig unplausible Metaphysik, die letztlich nur ein negatives Spiegelbild des unrealistischen Optimismus ist.
Barbara Fredrickson, Professorin für Psychologie an der University of North Carolina, untersucht seit Jahren in empirischen Studien Methoden und Auswirkungen der Förderung positiver Emotionen. In ihrem Buch “Positivity” beschreibt sie, wie Freude, Gesundheit und Kreativität durch positive Einstellungen gefördert werden können, und unterstreicht dabei, dass Aufrichtigkeit und Realismus eine unabdingbare Voraussetzung dafür sind.
In diesem Video der University of North Carolina fasst sie im Interview einige wichtige Elemente ihres Buches zusammen:
Zwei Ausschnitte daraus habe ich hier übersetzt, weil sie wirklich gut die nüchterne Perspektive auf den Nutzen einer positiven Einstellung darstellen:
Ca. ab 2:50 min: “Ich glaube nicht, dass es gesund ist, sich dazu zu zwingen, positiv zu sein. Das kann nach hinten losgehen und zu wirklich vergifteter Unaufrichtigkeit führen. Was nach meiner Feststellung besser ist, ist es, sich locker eine positive Haltung anzueignen, das heißt offen zu sein, anerkennend, neugierig und freundlich – aber vor allem, realistisch zu sein.”
Ca. ab 3:55 min:”Wir werden Negativität nie beseitigen. Tatsächlich ist es auch gar nicht gesund, dies zu versuchen. … Andererseits jedoch ist viel von unserer Negativität sinnlos, und es könnte uns allen besser gehen, wenn wir unsere Negativität im Zaum halten, indem wir jene mentale Gewohnheiten hinterfragen, die Öl ins Feuer gießen.”
