Posts Tagged ‘Glück’

Zum Glück braucht es keine Religion

December 4th, 2010

Luke Galen ist Professor für Psychologie und beschäftigt sich unter anderem mit der Psychologie des religiösen Fundamentalismus. Zuletzt hat er zusammen mit James Kloet eine Studie veröffentlicht, die empirisch belegt, was nüchtern betrachtet ohnehin naheliegt: die von orthodoxen Anhängern von Religionen immer wieder vorgebrachte Behauptung, dass nicht-religiöse Menschen automatisch unglücklich seien, entbehrt jeder realistischen Grundlage.
Wer zuversichtlich an sein Weltbild glaubt, hat auch in der Regel ein besseres psychisches Wohlbefinden – dies gilt für religiöse und nicht-religiöse Menschen gleichermaßen. Menschen mit geringerer Sicherheit bezüglich ihrer persönlichen Überzeugungen tendieren im Schnitt zu einem geringeren psychischen Wohlbefinden.
Für ein positives, individuell empfundenes Glücksniveau ist die Religion also überhaupt gar keine notwendige Voraussetzung. Im Gegenteil: auch mit Religion fühlt man sich weniger wohl, wenn einen Zweifel beschleichen. Die Behauptung mancher Religionsvertreter, das “atheistische Zeitalter” treibe die Menschen ins psychische Unglück, ist eine sachlich falsche, die Wirklichkeit verzerrende Polemik.

Quelle: Galen, L.W., & Kloet, J. (201). Mental well-being in the religious and the non-religious: evidence for a curvilinear relationship. In: Mental Health, Religion, & Culture, 12.Oct.2010.

Seneca fürs 21. Jahrhundert

November 10th, 2010

Seneca und Stoizismus waren immer schon vergleichsweise populär. Das Interesse an Seneca nimmt in den letzten Jahren wieder zu. Die Popmusiker von “Get Well Soon” setzen sich auf ihrem jüngsten Album “Vexations” mit Seneca und stoischen Auffassungen auseinander. Warum, wie das MTV-Blog berichtet, das “ein bisschen zu viel des Guten” sein soll und Konstantin Gopper, der für die Kompositionen verantwortlich zeichnet, “aus der Kritik angesichts des intellektuellen Überbaus sicher lernen und beim dritten Album nicht ungefragt vorchristliche Theorien in die Runde pfeffern” wird, ist völlig unklar. In der Popmusik kann man jeden Scheiß machen, je bescheuerter desto publikumswirksamer, da sind Inhalte, die sich seit über 2000 Jahren in verschiedensten Situationen bewährt haben, definitiv nicht verboten.

Auch Mark Frauenfelder auf Boing Boing sieht das so, und rezensiert zustimmend das neue Buch von William B. Irvine, “A Guide to the Good Life: The Ancient Art of Stoic Joy“, (Affiliate-Link) erschienen bei OUP. Anschließend schrieb Irvine auf Boing Boing eine dreiteilige Serie über seine stoische Alltagspraxis.
Als Philosoph mag man Details von Irvines Stoainterpretation prüfen, oder fragen, wo die stoische Philosophie ergänzungsbedürftig ist, wie dies bspw. Martha Nussbaum in ihren Büchern in fairer Weise tut. Als Einstieg in eine solche philosophische Haltung, und als lebenspraktische Reflexion, sind die Beiträge jedenfalls gut geeignet. Deshalb: mehr davon!

Hier die Beiträge von William Irvine auf Boing Boing: Stoizismus für das 21. Jahrhundert:
Teil 1: Twenty-First Century Stoic — From Zen to Zeno: How I Became a Stoic
Teil 2: Twenty-First Century Stoic — Insult Pacifism
Teil 3: Twenty-First Century Stoic — Stoic Transformation

Update: Auf der Webseite von Get Well Soon gibt es 6 Stücke des neuen Albums als Konzertmitschnitt kostenlos zum Download. [via Spreeblick]

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“Pech gehabt!”, oder: Ist Glück lernbar?

October 28th, 2010

In der Frage, wie viel wir eigentlich selbst für unser Glück tun können, trifft man immer wieder auf die Position, dass da nicht viel zu machen sei. Entweder man habe eine leichte, zum Glücklichsein tendierende psychsische Grundausstattung, oder man sei eben eher grüblerisch und trübsinnig – und daran ließe sich nicht viel ändern. All die Bemühungen und Ratschläge seien vergeblich. Was man an charakterlicher Ausstattung mitbekommen habe, sei nun einmal von der Natur so vorgegeben, “determiniert” und auch nicht mehr änderbar.

Das ist nicht nur keine besonders optimistische Position, sie ist auch falsch. Es trifft in keiner Weise zu, dass die “Natur” schon alles festgelegt hat oder dass die Gene ein für alle Mal determinieren, wie man sich zeitlebens fühlen und auf die Umwelt reagieren wird. Woher auch immer die Vorstellung stammt, “Natur” habe etwas mit starrer Festlegung zu tun – es ist eine Illusion, die in unzähligen Bereichen und Einzelheiten unserer natürlichen Umwelt widerlegt wird. Auch angesichts der Vielfalt, Veränderlichkeit und Dynamik der psychsischen und emotionalen Phänomene kann man über so eine simple Vorstellung nur verblüfft sein. Wenn man die “Natur” schon in dieser metaphorischen Weise für irgendetwas in der belebten Welt als Beleg nehmen will, dann ist Entwicklungsfähigkeit wohl der naheliegendere, der Realität entsprechende Sinn.

Dass man die “Natur” nicht als “Beweis” für einen solchen Determinismus ins Feld führen kann, demzufolge unsere psychische Ausstattung ein für alle Mal festgelegt ist, und wer ein unglücklicher Tropf sei, der bleibe dies auch, zeigt beispielsweise ein einfaches und harmloses Experiment mit Ratten. Das mag als Beispiel vielleicht befremden, aber es zeigt, dass schon Verhaltensweisen von im Vergleich zum Menschen “einfachen” Lebewesen nicht so festgelegt sind, wie es scheint, wenn man von der “Natur” und den Genen spricht. Es gibt auch bei Ratten fürsorgliche und weniger fürsorgliche Mütter. Die Nachkommen der Rattenmütter, die ihren Babys weniger Zuwendung durch Lecken und Kraulen zeigten, reagieren als Erwachsene auf schwierige Herausforderungen gestresster als die Nachkommen, die als Babys mehr Zuwendung erfahren haben. Gibt man nun aber Rattenbabys einer Mutter, die ihren Nachkommen weniger Aufmwerksamkeit widmet, in die Obhut eines fürsorglichen Muttertieres, das diese Babys dann aufzieht, so werden diese genauso stressresistent wie die eigenen Nachkommen der liebevollen Rattenmutter. Der Bann der elterlichen Stresskarriere ist gebrochen, ein anderes Verhalten, als es die genetische Mutter zeigt, wurde gelernt.

Das Gehirn ist lernfähig, anpassbar, formbar. Die Fachleute sprechen von Neuroplastizität. Das gilt für Säugetiere, und noch viel mehr für Menschen. Die Neuronen, die Schaltbahnen unseres Gehirns, lernen neue Verhaltensweisen, die durch Übung und Wiederholung stärker werden, ähnlich wie “Trampelpfade”, die durch häufigen Gebrauch entstehen. Und so kann man durch die richtigen Methoden auch die Fähigkeit zum Glück, zur Freundlichkeit und anderen positiven Eigenschaften, die zu einer besseren Bewältigung des Lebens beitragen, lernen. Wir sind weder Sklaven der Natur, noch unserer Kindheit. Wie wir empfinden und wie wir auf Erfahrungen reagieren, können wir auch als Erwachsene noch lernen.

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Glücklich sein – humorvoll betrachtet

October 14th, 2010

Lauren McCarthy ist eine junge amerikanische Künstlerin, die sich in ihren Projekten den Aspekten (zwischen)menschlicher Erfahrung widmet, die scheitern können.

Eines dieser Projekte ist der Happiness Hat, der mit einem Sensor ausgestattet ist und seinem Träger einen Stich versetzt, wenn er nicht lächelt. Zuletzt hat sie den “Conversacube” entwickelt – eine kleine Box, die den Personen in einem Gespräch Anweisungen gibt, wie sie die Kommunikation fortsetzen sollen, beispielsweise bei einem Date. Dann klappt’s auch mit dem ersten Kuss – wie das dazugehörige Video augenzwinkernd vorführt.

Diese Objekte zeigen auf wunderbar humorvolle Weise die Unsicherheiten, mit denen Menschen sich bei ihrem Bemühen um ein emotional und kommunikativ gelingendes Verhalten auseinandersetzen müssen.

happiness hat from Lauren McCarthy on Vimeo.

Travel Conversacube from Lauren McCarthy on Vimeo.

Glücklich sein

September 17th, 2010

Dieses Video basiert auf dem wunderbaren kleinen Buch “Be Happy” von Monica Sheehan. Es enthält einfache Empfehlungen, auf welche oft eher kleinen Dinge man achten sollte, um sich besser und ausgeglichener zu fühlen. Die vorgeschlagenen Einstellungen und Aktionen sind dabei tatsächlich so etwas wie eine philosophische und psychologische Quintessenz der Darstellungen zu diesem Thema. Fürs Glück kommt es gerade weniger auf Reichtum, neue Möbel, Autos oder Fernseher an, als vielmehr auf persönliche Einstellungen, die eine freundliche, offene und soziale Zugangsweise zum Alltag und zu den Mitmenschen ermöglichen.

Das Buch lebt insbesondere durch seine Illustrationen, die die wichtigen Dinge einprägsam veranschaulichen. Daraus wurde dieses motivierende kleine Video zusammengestellt.

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Seneca: “Vom glückseligen Leben” als Hörbuch

August 9th, 2010


Bei Librivox gibt es Senecas Büchlein “Vom glückseligen Leben” als kostenloses Hörbuch. Es kann direkt auf der Seite angehört, in drei Abschnitten (hier) oder komplett (hier) heruntergeladen werden. Die Gesamtspieldauer beträgt 2 Stunden, 34 Minuten. Die Vorlesestimme ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Seneca war ein Stoiker. Die Stoiker repräsentierten eine der einflussreichsten Philosophenschulen des alten Griechenlands und Roms. Glück ist für sie das wichtigste Ziel des Lebens. Allerdings muss man sich dazu von Illusionen und Irrtümern befreien, die die Seele beunruhigen und letztlich zu einem ungesunden Lebensstil führen. Senecas Ausführungen sind deshalb heute noch von großem Wert, wenn auch Vernunft und Selbstkontrolle ein wenig zu stark betont werden. Aber auch mit einer gelasseneren, heiteren Einstellung aus heutiger Sicht sind viele der von Seneca genannten Fallstricke und Empfehlungen für ein ruhigeres Seelenleben noch genauso gültig wie vor zweitausend Jahren.

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