Posts Tagged ‘Philosophie’

Meditation ohne Religion

September 24th, 2011

Meditation ist eine gute Methode, um sich zu sammeln und neue Kraft zu schöpfen. Da man sie häufig in Zusammenhang mit religiösen Praktiken erwähnt, entsteht der Eindruck, Meditation würde eine religiöse Einstellung voraussetzen. Für manche hat sie gar den Beigeschmack von verworrener Esoterik. Religiöse oder esoterische Elemente gehören aber keineswegs notwendig zur Meditation dazu. Auch wenn Meditation in Lexika als spirituelle Praxis bezeichnet wird, so ist sie nicht notwendigerweise mit Spiritualität verbunden. Es ist richtig, dass sie in manchen religiösen Praktiken eine Rolle spielt. Aber das gilt auch für das Trinken (Wein, Tee …) oder Essen (Brot). Meditation eignet sich ganz hervorragend als “säkulare” Entspannungstechnik. Spiritualität oder Religion muss dabei keine Rolle spielen.

Darauf haben auch Vertreter einer spirituellen Geisteshaltung hingewiesen, wie der Dalai Lama, oder der Psychologe Jon Kabat-Zinn. Der Philosoph und Neurowissenschaftler Thomas Metzinger empfiehlt zum “richtigen Umgang mit dem Gehirn” auch in Schulen die Einführung in Meditationstechniken als “ideologiefreie und säkularisierte Formen der Selbsterfahrung”. Wenn man nach einem moderneren Ausdruck sucht, schlägt er das Wort “Aufmerksamkeitsmanagement” vor. (Deshalb sollte, so Metzinger, dieser Unterricht auf keinen Fall in die Hände von Religionslehrern gelegt werden. Viel besser geeignet seien beispielsweise Sportlehrer.)

Das Ziel, mit Meditation zu psychischer Ausgeglichenheit und einer Auffrischung der mentalen Kräfte zu gelangen, ist perfekt vereinbar mit einer säkularen Einstellung. Meditation kann zur Entspannung und Regeneration eingesetzt werden, ganz unabhängig davon, ob man religiös ist oder nicht.

Eine so verstandene Meditation strebt denn auch nicht spirituelle Bewusstseinszustände oder religiöse Erkenntnis an, sondern Entspannung und mentale Stärkung. Dass die Meditation für manche Religionsanhänger eine bewusstseinserweiternde Erfahrung hin zu einer höheren religiösen Dimension darstellt, kann man dahingestellt lassen, denn für die eigene Meditationspraxis zur Förderung von Ruhe oder Achtsamkeit ist man ja nicht auf solche weitergehenden Erwartungen angewiesen. Es kann eben – wie so oft im Leben – jeder auf seine Art glücklich werden.

Es gibt denn auch zahlreiche unterschiedliche Meditationsmethoden, die den persönlichen Vorstellungen mal mehr, mal weniger entsprechen. Ob einfache Entspannungstechniken dazugehören, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Eine solche recht leicht durchführbare und effektive Methode ist zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: dabei wird im mentalen Ruhezustand durch bewusstes An- und Entspannen von Muskeln ein Entspannungszustand herbeigeführt. Der Psychologe Rolf Merkle hat eine CD mit einer Anleitung erstellt, die man gut zur Durchführung dieser Entspannungstechnik benutzen kann. Wer mehr darüber lesen möchte, kann dies auf seiner Webseite tun.

Eine andere, einfache Methode mit ein wenig mehr meditativen Elementen ist die Achtsamkeitsmeditation. Diese ist mittlerweile weit verbreitet, und wird auch von Medizinern, Psychologen und Beratern eingesetzt. Der Psychologe Jon Kabat-Zinn hat sie in seinen Büchern beschrieben und unter anderem auch mit Mitarbeitern des Internetunternehmens Google praktiziert (Link zum YouTube-Video) – eine geradezu paradigmatisch säkulare Anwendungssituation.

Fazit: Schon einfache Entspannungstechniken tragen viel dazu bei, sich mental zu erholen und den Geist ruhig auf essentielle Ziele zu lenken. Dies kann man frei von religiösen oder spirituellen Anforderungen tun.


Weitere Artikel zum Thema Meditation:
Kostenlose Meditationsübungen im Internet
Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

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Seneca fürs 21. Jahrhundert

November 10th, 2010

Seneca und Stoizismus waren immer schon vergleichsweise populär. Das Interesse an Seneca nimmt in den letzten Jahren wieder zu. Die Popmusiker von “Get Well Soon” setzen sich auf ihrem jüngsten Album “Vexations” mit Seneca und stoischen Auffassungen auseinander. Warum, wie das MTV-Blog berichtet, das “ein bisschen zu viel des Guten” sein soll und Konstantin Gopper, der für die Kompositionen verantwortlich zeichnet, “aus der Kritik angesichts des intellektuellen Überbaus sicher lernen und beim dritten Album nicht ungefragt vorchristliche Theorien in die Runde pfeffern” wird, ist völlig unklar. In der Popmusik kann man jeden Scheiß machen, je bescheuerter desto publikumswirksamer, da sind Inhalte, die sich seit über 2000 Jahren in verschiedensten Situationen bewährt haben, definitiv nicht verboten.

Auch Mark Frauenfelder auf Boing Boing sieht das so, und rezensiert zustimmend das neue Buch von William B. Irvine, “A Guide to the Good Life: The Ancient Art of Stoic Joy“, (Affiliate-Link) erschienen bei OUP. Anschließend schrieb Irvine auf Boing Boing eine dreiteilige Serie über seine stoische Alltagspraxis.
Als Philosoph mag man Details von Irvines Stoainterpretation prüfen, oder fragen, wo die stoische Philosophie ergänzungsbedürftig ist, wie dies bspw. Martha Nussbaum in ihren Büchern in fairer Weise tut. Als Einstieg in eine solche philosophische Haltung, und als lebenspraktische Reflexion, sind die Beiträge jedenfalls gut geeignet. Deshalb: mehr davon!

Hier die Beiträge von William Irvine auf Boing Boing: Stoizismus für das 21. Jahrhundert:
Teil 1: Twenty-First Century Stoic — From Zen to Zeno: How I Became a Stoic
Teil 2: Twenty-First Century Stoic — Insult Pacifism
Teil 3: Twenty-First Century Stoic — Stoic Transformation

Update: Auf der Webseite von Get Well Soon gibt es 6 Stücke des neuen Albums als Konzertmitschnitt kostenlos zum Download. [via Spreeblick]

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Seneca: “Vom glückseligen Leben” als Hörbuch

August 9th, 2010


Bei Librivox gibt es Senecas Büchlein “Vom glückseligen Leben” als kostenloses Hörbuch. Es kann direkt auf der Seite angehört, in drei Abschnitten (hier) oder komplett (hier) heruntergeladen werden. Die Gesamtspieldauer beträgt 2 Stunden, 34 Minuten. Die Vorlesestimme ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Seneca war ein Stoiker. Die Stoiker repräsentierten eine der einflussreichsten Philosophenschulen des alten Griechenlands und Roms. Glück ist für sie das wichtigste Ziel des Lebens. Allerdings muss man sich dazu von Illusionen und Irrtümern befreien, die die Seele beunruhigen und letztlich zu einem ungesunden Lebensstil führen. Senecas Ausführungen sind deshalb heute noch von großem Wert, wenn auch Vernunft und Selbstkontrolle ein wenig zu stark betont werden. Aber auch mit einer gelasseneren, heiteren Einstellung aus heutiger Sicht sind viele der von Seneca genannten Fallstricke und Empfehlungen für ein ruhigeres Seelenleben noch genauso gültig wie vor zweitausend Jahren.

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Glücklich mit Philosophie – Alain de Botton

February 11th, 2010

Alain de Botton ist der publizistische “Hans Dampf in allen Gassen” unter den Philosophen. In Büchern, Vorträgen und Filmen bringt er umfangreiche und schwierige philosophische Themen allgemeinverständlich auf den Punkt. In Bestsellern wie “Wie Proust Ihr Leben verändern kann” oder “Trost der Philosophie” zeigt er auf leichte und amüsante Weise, wie selbst schwer verständliche Werke verschrobener Philosophen ausgesprochen menschlich und alltagspraktisch verstanden werden können.

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Aus seiner Fernsehserie “Philosophy: A Guide to Happiness” hier das Video zum Thema “Epikur über das Glück” (auf Englisch).

Alle sechs Teile der Serie findet man bei Interesse auf dieser Seite.