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Die richtige Balance zwischen positivem und negativem Denken

February 23rd, 2010

Glasses“An den Pessimismus gewöhnt man sich zuletzt wie an ein zu enges Sakko, das sich nicht mehr ändern lässt.” (André Gide)

Negatives Denken kann sich wie ein Schleier über alles legen, was man denkt, fühlt und erlebt. Es wirkt wie ein Filter, der die positiven Elemente abschwächt oder sogar ganz verdeckt. Darüberhinaus ist das Negative psychologisch meistens wirkungsvoller als das Positive, das schneller verblasst. Angst ist eine evolutionäre Strategie, Gefahren zu vermeiden. Sie ist ein entwicklungsgeschichtlich alter, tiefverwurzelter Mechanismus bei Tier und Mensch. Das darüber Gelernte ist sehr lange abrufbar – und wenn es abgerufen wird, so geschieht dies rasend schnell und meistens nicht kontrollierbar, sondern unbewusst.
Es ist idiotisch, wenn man sich freiwillig beim negativen Denken aufhällt, weil es lähmt und runterzieht. Motivation und Lebensfreude sind optimistisch. Sie sind der Treibstoff, der uns Aufgaben in Angriff nehmen lässt. Positives Denken hilft, Verzagtheit zu überwinden.

Der Streit um das Für und Wider von Pessimismus und Optimismus, von negativer und positiver Einstellung, ist uralt. Die Vorwürfe, die man dem Optimismus macht, sind auf den ersten Blick scharfsinnig und realistisch: Optimisten wandeln auf Wolken und verkennen die Realität. Sie gehen mit ihren Seifenblasen auf die Nerven. Im schlimmsten Fall unterlassen sie in ihrer rosaroten Ignoranz die notwendigen Vorkehrungen zur Abwendung schädlicher Entwicklungen.

Bien. Zuviel Optimismus hier, zuviel Pessismus da. Und in beiden Fällen zu wenig Realismus. In beiden Fällen Übertreibung, Irrtum, Illusion. Oder – wie es die alten Griechen nannten – Wahn. Das Ziel aber des guten Lebens – sagte schon der Philosoph Antistehenes – ist Freiheit vom Wahn. Es kommt beim positiven Denken also darauf an, sowohl pessimistische Übertreibungen als auch optimistische Illusionen zu vermeiden. Auf das richtige Maß, die richtige Balance kommt es an.

Balance ist für uns Gewohnheitstiere eine ständige Herausforderung. Allzu leicht legen wir uns auf Prinzipien fest und unsere Verhaltensweisen werden zu Gewohnheiten. Wir verlieren schnell die Fähigkeit, Gelerntes, „Abgesunkenes“ auf den Prüfstand zu stellen.

Positives Denken hat klare Vorteile. Es fühlt sich gut an, es erzeugt Freude, es verändert die Denkweise und es gibt Kraft, Pläne in die Tat umzusetzen. Realismus ist dabei nicht nur erlaubt, sondern zwingend erforderlich. Dazu gehört, dass negative Gedanken und Gefühle zugelassen werden. Denn die Realität ist so, dass negative Erfahrungen dazu gehören:
Appropriate negativity keeps us grounded, real, and honest.” (Barbara L. Fredrickson, Positivity, S. 159)

Unsere Freiheit und unsere Macht über die Dinge sind sehr begrenzt. Philosophen verstehen dies als Bedingung unserer Freiheit. Schriftsteller haben uns eindrucksvolle Beispiele dafür gegeben, wie dieser Umstand Begeisterung hervorruft – oder Niedergeschlagenheit.

Halten wir uns an das Positive.

Know that joy is rarer, more difficult, and more beautiful than sadness. Once you make this all-important discovery, you must embrace joy as a moral obligation.” (André Gide)

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Optimismus mit Schopenhauer

February 4th, 2010

Ausgerechnet Schopenhauer als Ratgeber für eine optimistische Sichtweise? Das scheint ein Widerspruch zu sein!

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer ist allgemein bekannt als Pessimist. Seinen scharfsinnigen, nüchternen Schlussfolgerungen und Formulierungen zollen viele bedeutende Philosophen Respekt, doch seiner negativen Einschätzung der Wirklichkeit schließen sich nur die wenigsten an. Stattdessen der Vorwurf: Er sei ein Misanthrop, und seine Griesgrämigkeit übertrieben und unnötig. Daran ist viel wahr.

Dennoch hat uns Schopenhauer einen großen Gefallen getan. Indem er zeigte, was die größten Irrtümer auf der Suche nach dem Glück sind (Reichtum, Macht, Eitelkeit …) und einen vorgegebenen, positiven Sinn des Universums leugnete, hat er unsere Illusionen deutlich und nüchtern aufgezählt. Auf deren Verwirklichung brauchen wir uns keine realistische Hoffnung zu machen: Dass man mit Reichtum oder Ehrgeiz glücklich wird, dass es eine übergeordnete metaphysische Instanz gibt, die die Welt zum Guten eingerichtet hat und darauf achtet, dass jeder guten Seele ein friedliches und gutes Leben beschieden ist, ist offenkundig nicht wahr. Gewalt, Elend, Krankheit, Einsamkeit strafen jede rosarote Weltsicht lügen.

Dass es aber unerträglich ist, in Sack und Asche zu gehen, dass die menschliche Psyche unter einer so deprimierenden Aussicht zusammenbrechen muss, wenn es keine Mittel und Wege gibt, etwas für das Glück zu tun, das wusste auch Schopenhauer (der ja nicht die Ursache dieser Situation, wie er sie sieht, ist, sondern sie nur aufrichtig und realistisch beschrieben hat). Der Wunsch, glücklich zu sein, war Schopenhauer ganz und gar nicht fremd; er war nur ernüchtert über die Möglichkeiten, diesen Wunsch zu verwirklichen.

Den leeren metaphysischen Glücksversprechungen und den Irrtümern und Illusionen der Menschen konnte man nicht vertrauen, um zuverlässig glücklich zu werden. Vielmehr muss man seine physischen und psychischen Möglichkeiten schon realistisch einschätzen, um dahin zu kommen. Dass der Mensch dieses Glücksbedürfnis (und andere emotionale und soziale Bedürfnisse) hat, stand für Schopenhauer außer Frage. Seine psychologischen Analysen sind heute noch bemerkenswert realistisch und treffend.

Und so können wir uns heute Schopenhauers Bemerkungen ganz anders zu eigen machen. Seinen Pessimismus und die scheinbare Griesgrämigkeit brauchen wir nicht zu teilen. Sie lassen sich verstehen als eine Reaktion auf die Luftschlösser und falschen Versprechungen der Philosophen und Theologen seiner Zeit. Es gibt eine großartige Textstelle in den “Aphorismen zur Lebensweisheit” – eine der populärsten Schriften Schopenhauers – , die seine gar nicht so unfreundliche, aber realistische psychologische Sichtweise belegt und die uns zeigt, welche positiven psychischen Faktoren wichtig sind, um uns zu motivieren und Lebensfreude zu empfinden, ohne dass man sich dazu in Illusionen verlieren muss:

“Was nun aber … uns am unmittelbarsten beglückt, ist die Heiterkeit des Sinnes: denn diese gute Eigenschaft belohnt sich augenblicklich selbst. Wer eben fröhlich ist hat allemal Ursache es zu sein: nämlich eben diese, daß er es ist. Nichts kann so sehr, wie diese Eigenschaft, jedes andere Gut vollkommen ersetzen; während sie selbst durch nichts zu ersetzen ist. Einer sei, jung, schön, reich und geehrt; so fragt sich, wenn man sein Glück beurteilen will, ob er dabei heiter sei: ist er hingegen heiter, so ist es einerlei, ob er jung oder alt, gerade oder bucklig, arm oder reich sei; er ist glücklich. In früher Jugend machte ich einmal ein altes Buch auf, und da stand: »wer viel lacht ist glücklich, und wer viel weint ist unglücklich« – eine sehr einfältige Bemerkung, die ich aber, wegen ihrer einfachen Wahrheit, doch nicht habe vergessen können, so sehr sie auch der Superlativ eines Trueism’s ist. Dieserwegen also sollen wir der Heiterkeit, wenn immer sie sich einstellt, Tür und Tor öffnen: denn sie kommt nie zur unrechten Zeit; statt daß wir oft Bedenken tragen, ihr Eingang zu gestatten, indem wir erst wissen wollen, ob wir denn auch wohl in jeder Hinsicht Ursache haben, zufrieden zu sein; oder auch, weil wir fliehten, in unsern ernsthaften Überlegungen und wichtigen Sorgen dadurch gestört zu werden: allein was wir durch diese bessern, ist sehr ungewiß; hingegen ist Heiterkeit unmittelbarer Gewinn. Sie allein ist gleichsam die bare Münze des Glückes und nicht wie alles andere, bloß der Bankzettel; weil nur sie unmittelbar in der Gegenwart beglückt; weshalb sie das höchste Gut ist für Wesen, deren Wirklichkeit die Form einer unheilbaren Gegenwart zwischen zwei unendlichen Zeiten hat. Demnach sollten wir die Erwerbung und Beförderung dieses Gutes jedem andern Trachten vorsetzen.”

Um optimistisch zu sein, muss man realistisch sein. Illusionen und falsche Versprechungen sind keine wirkliche Hilfe. Ebensowenig ist ein dauernder Pessimismus von Nutzen. Er ist ebenso unrealistisch wie der überzogene Optimismus. Menschen machen sich Hoffnungen, und dazu dürfen sie sich ruhig positiv motivieren, ohne Angst zu haben, dadurch “in unseren wichtigen Sorgen gestört zu werden.” Man muss nur auf dem Boden bleiben, wozu Realismus und Optimismus am besten geeignet sind.
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Was ist schlecht am positiven Denken? Teil 2

January 27th, 2010
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Image by hotblack, morgueFile.com

Positives Denken – schlecht gemacht
Diese Überschrift kann man im zweifachen Sinn verstehen: man kann positives Denken schlecht ausführen, und man kann es diskreditieren.

Das positive Denken ist nicht ohne seine Kritiker, und die Kritik ist leider oft berechtigt. Manchmal dagegen schießt sie über das Ziel hinaus und schüttet das Kind mit dem Bade aus. Sie entzündet sich an überzogenen und unrealistischen Versprechungen, die bei Lebenspraxistipps in der Tat weit verbreitet sind. Betrachtet man die Sache nüchtern, so ist es eine logische und psychologische Tatsache, dass wir nur die Option haben, etwas entweder positiv oder negativ zu bewerten. Negative Wertungen können aber leicht eine Eigendynamik hin zu einer negativen Sichtweise entwickeln, die uns immer weiter runterzieht. Zwar gibt es prominente Befürworter des negativen Denkens wie Paul Watzlawick, der in seiner “Anleitung zum Unglücklichsein” zahlreiche (ironische) Tipps zum vollkommenen Schwarzsehen aufzählt, es ist aber insgesamt gesünder, dem Zirkel des negativen Denkens Einhalt zu gebieten und zu einer ebenso realistischen wie positiven Sicht der eigenen Fähigkeiten zu kommen. Gerade deshalb ist es wichtig, festzuhalten, welche falschen Erwartungen und falschen Versprechungen leider immer wieder mit dem positiven Denken verbunden werden, damit man nicht diesen Fehlern aufsitzt und letztlich eine herbe Enttäuschung erlebt.

Positives Denken als Illusion
Positives Denken besitzt keine magischen Kräfte. Durch bloße gedachte oder gesprochene Affirmationen (positiv wertende Aussagen) ändert sich die Realität nicht: Krankheit, Arbeitslosigkeit, sozialer oder beruflicher Stress lösen sich nicht einfach in Luft auf, indem man sich in Illusionen hineinsteigert, wie man es gelegentlich in reißerischen Coachingveranstaltungen oder Esoterikleitfäden findet. Weder eine Überfliegerkarriere mit rotem Ferrari vor der Tür noch magische Lebensveränderung sind realistische Gegenstände positiven Denkens. Dagegen kann es sehr wohl helfen, die negativen Aspekte der Wirklichkeit besser zu meistern, und Mut zu fassen, für sich selbst etwas an den Verhältnissen zu ändern.

Positives Denken kann also niemals wie durch Zauberhand Wünsche erfüllen. Es ist nichts weiter, als ein natürlicher Modus des Denkens und Bewertens. Die Dynamik des negativen Denkens hat eine selbstverstärkende Tendenz, aus dem Ruder zu laufen. Um Selbstvertrauen und Optimismus zu stärken, muss man dass Dauerfeuer negativer Gedanken unterbinden, und kann diesen Prozess mit bewusst gewählten positiven Aussagen unterstützen. Aber man sollte es vermeiden, hohle Floskeln vor sich herzusagen, die nicht authentisch sind und die nicht von der Bereitschaft begleitet werden, an den eigenen Bewertungen etwas zu ändern und sein Leben in die Hand zu nehmen.
Wer nur seinen Mitmenschen vorbetet, ihm ginge es von Tag zu Tag besser, ohne an den eigenen Einstellungen und Umständen etwas zu ändern (wozu in schwierigen Lebenslagen auch professionelle therapeutische Hilfe in Betracht gezogen werden sollte), der wird nach einiger Zeit wohlmöglich immer noch auf demselben Fleck stehen – um eine bittere Enttäuschung reicher.

Eine im Jahr 2009 im Fachjournal Psychological Science veröffentlichte Studie stellte fest, dass positives Denken in bestimmten Situationen für Menschen mit geringem Selbstvertrauen ein Risiko darstellt. Das Echo auf diese Veröffentlichung war in Deutschland recht positiv. Sogar der Spiegel triumphierte, dass positives Denken gar nicht so positiv sei. Vor dem Hintergrund esoterischer Heilsversprechen und reißerischer Karrieretipps mancher Managementberater, die in den Jahren zuvor in der Öffentlichkeit eine gewisse Prominenz erlebten, war das ernüchternde Ergebnis dieser Studie eine Genugtuung für die Kritiker dieser ach so positiven Erfolgsstrategien. Welche Ergebnisse hatte die besagte Studie geliefert? Ihr Urteil war differenziert. Ein Teil der Probanden profitierte bei der Lösung einer Aufgabe durch positives Denken. Diejenigen Probanden aber, die ein geringes Selbstwertgefühl hatten, fühlten sich durch die positiven Aussagen, die sie sich vorsagen sollten, überfordert. Sie empfanden diese Aussagen als unehrlich, was ihr Unbehagen und ihre Selbstzweifel vergrößerte. Sie gingen unglücklicher aus dem Test hervor, als sie es vorher waren.

Aus diesem Ergebnis lässt sich eine ganz klare Aussage ableiten: unrealistische Suggestionen, die die Erfahrungen und Gefühle der Beteiligten ignorieren, helfen nicht. Unter Umständen schaden sie sogar. Aber das ist nichts, was logisch und notwendig mit dem positiven Denken verbunden ist. Im Gegenteil. Man muss in solchen Fällen eher schlicht von unrealistischem, illusionärem Denken reden. Eine realistische Einschätzung der Wirklichkeit sowie eine sorgfältige Berücksichtigung der psychischen Befindlichkeit eines Menschen muss eine Selbstverständlichkeit sein. Humanistisch orientierte Psychologen, Philosophen und Berater arbeiten immer unter dieser Voraussetzung, weil die authentischen Bedürfnisse eines Individuums anders gar nicht zur Geltung kommen.

Außerdem sind negative Gedanken und Gefühle auch berechtigt (dazu will ich in einem späteren Beitrag mehr schreiben). Trauer, Sorge, Wut, Zweifel gehören zur Realität, und wie wir gesehen haben, hat es gar keinen Sinn, die Realität zu leugnen. Es wird nur dann wichtig, positive Gedanken zu betonen, wenn das innere Gleichgewicht verloren gegangen ist und die Psyche in einen Strudel negativer Gedanken, in eine Abwärtsspirale der Selbstzweifel geraten ist.

Positives Denken als Usurpation (Unterdrückung)
Der größte Vorwurf der Kritiker ist der, dass positives Denken dazu missbraucht wird, diejenigen, die unter einer unvorteilhaften Situation leiden, dazu zu bewegen, sich in ihr Schicksal zu fügen. Das führt dazu, dass Missstände zementiert statt behoben werden und die Betroffenen die Schuld für ihr eigenes Unglück bei sich selbst suchen. Die Aufforderung, angesichts einer schwer erträglichen Situation zu lächeln, ohne dass auf die Gefühle und Erfahrungen der Betroffenen eingegangen wird und keine Möglichkeit besteht, die Situation neu zu bewerten und eventuell zu ändern, ist eine psychologische Zumutung. In den schlimmsten Fällen kann die Aufforderung, eine Situation, in der man leidet, positiv zu sehen, eine niederträchtige Demütigung (Amazon-Link) sein, die nur noch ohnmächtiger macht. Wir kennen das aus Fällen psychologischen Missbrauchs. Und auch in politischen Diktaturen ist dies ein gebräuchliches Mittel – man muss sich nur an die totalitären Systeme des 20. Jahrunderts erinnern oder an George Orwells eindrucksvolles Buch „1984“.

„Positives Denken“ als Mittel der Manipulation in unsymmetrischen Machtgefügen ist pervers. Es ist missbräuchlich und entwürdigend, wenn Individuen mit dem Vorwurf der grundlosen Unzufriedenheit die Möglichkeit genommen wird, ihre eigene Stimme vernehmlich zu machen und frei von Angst ihre Erlebnisse und Gefühle zu bewerten. Dies gilt im Großen (Politik), im mittleren Bereich (beispielsweise Berufsleben) und im „Kleinen“ (Privatleben, Familie, Beziehungen).

Dieser Etikettenschwindel mit dem positiven Denken ist der Missbrauch einer natürlichen Ressource, die Menschen zur Verfügung steht, um ihre Umwelt zu bewerten und zu ändern. Da, wo Menschen ihre eigenen Zwecke überhaupt nicht mehr in Erwägung ziehen können, herrscht Unfreiheit. Wenn dann auch noch ein Zwang zum Lächeln besteht, ist die psychische Ohnmacht fast ausweglos.

Eine solche Methode ist nicht positiv im Sinne des Individuums, sondern manipulativ. Das Argument, dass positives Denken grundsätzlich soziale und andere Missstände zementiere, ist logisch einfach falsch. Selbst der Rebell in der sozialen Gruppe oder der Revolutionär brauchen positives Denken, um aus ihrer Unzufriedenheit heraus ein mögliches Ziel der Veränderung zu entwerfen. Um die Kraft zu finden, in widrigen Umständen zu überleben, sie zu bewerten und Schritte zu ihrer Verbesserung zu entwerfen, braucht man Kraft, braucht man Lebensmut. Wolf Biermann sagte bei seinem Auftritt 1976 in der Kölner Sporthalle, der für die SED zum Anlass seiner Ausbürgerung aus der DDR herhalten musste: “Die Ermutiger brauchen auch Ermutigung.

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Mehr aus dieser Serie:
Was ist schlecht am positiven Denken? Teil 1

Was ist schlecht am positiven Denken? Teil 1

January 13th, 2010
laugh

Image: federico stevanin / FreeDigitalPhotos.net

“Nun, gezweifelt ist genug.” Goethe

Es ist nicht immer leicht, den Kopf über Wasser zu halten und optimistisch die großen und kleinen Aufgaben des Alltags zu bewältigen. Es gibt genügend Ereignisse, die uns die Laune verderben oder den Mut nehmen. Besonders hinterhältig an solchen negativen Erfahrungen ist, dass sie uns leicht in eine motivationale Abwärtsspirale befördern. Alltägliche ebenso wie unvorhergesehene Stressfaktoren erscheinen größer oder sogar unüberwindbar, wenn man bereits emotional oder psychisch angeschlagen ist.

Ist die Stimmung genügend weit im Keller oder das Selbstbewusstsein angegraben, wird selbst die sprichwörtliche Mücke zum Elefanten. Jedoch – man kann was tun!

Das vielgeschmähte positive Denken ist die natürliche Medizin, um das Selbstvertrauen zu stärken und den Optimismus zu erzeugen, den man braucht, um Dinge geregelt zu kriegen. Gurus und hochbezahlte Motivationsstars haben das positive Denken in Misskredit gebracht. Man muss sich davon nicht irritieren lassen – es handelt sich um klare Fälle von Fehlanwendungen, die bei fast allen segensreichen Mitteln, die den Menschen zur Verfügung stehen, eine Gefahr sind. Welches und wieviel positives Denken gut ist – dazu werde ich hier eine kleine Artikelserie schreiben.

Zunächst bleibt festzuhalten, dass die einzige angemessene Antwort auf negative Gefühle und Gedanken eine realistisch-positive Einstellung ist. Wer realistisch ist und  positiv denkt, kann viel gewinnen (angesichts von verbreiteten zwischenmenschlichen Atmosphärenstörungen und zunehmenden seelischen Leiden geht es oft eher um ein Zurückgewinnen.)

Training lautet die Devise. Es gilt, die Aufmerksamkeit auf positive Ziele, positive Erlebnisse und die eigenen Stärken zu lenken – und vor allem, indem man die Endlosschleife der negativen Gefühle unterbricht. Selbstvertrauen kann man fördern, indem man bewusst die Mühle der Selbstzweifel unterbindet, innerlich gute Bilder visualisiert (denken sie an einen Schmetterling, eine Blumenwiese – an irgendetwas Harmloses) und sich darin übt, sich selbst zu akzeptieren. Man muss eine tägliche Routine entwickeln, gut von sich selbst zu denken und positive Ereignisse wahrzunehmen und zu erinnern. Dies ist auch das Ziel von psychotherapeutischen Methoden wie der kognitiven Verhaltenstherapie, die bei psychischen Leiden zu den erfolgreichsten Verfahren gehört.

Über Vorteile und Fallstricke des positiven Denkens, Kritik und Realismus, Philosophie und Psychologie werde ich auf diesem Weblog in den nächsten Wochen schreiben. Oberflächliche Forderungen, “einfach positiv” zu sein und zu lächeln, haben mich lange gestört. Warum solche Rezepte nicht taugen, und wo die Kritik daran auch nicht weiterführt, werde ich im nächsten Teil erläutern.

(Image courtesy of : federico stevanin / FreeDigitalPhotos.net)

Hier geht es weiter:
Was ist schlecht am positiven Denken? Teil 2