Posts Tagged ‘Psychotherapie’

Welche Folgen spürt man beim Absetzen von Antidepressiva?

January 18th, 2014

Zufälligerweise bin ich über zwei Artikel gestolpert, die darüber berichten, welche Auswirkungen beim Absetzen von Antidepressiva beobachtbar sein könnten. Patienten, die in Rücksprache mit ihrem Experten in der Behandlung das Medikament absetzen, können sich bei “Psychiatrie to go” oder bei “dasGehirn.info” informieren.

Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

June 9th, 2010

Im vorigen Beitrag habe ich die achtsamkeitsbasierende Meditation erwähnt, die unter anderem durch Jon Kabat-Zinn prominent wurde, der sie nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten rekonstruiert hat. Achtsamkeit wird in psychologischen und medizinischen Studien als hilfreiche Ergänzung klassischer Heilverfahren beschrieben. Einen allgemeinverständlichen Überblick findet man beispielsweise bei Gehirn & Geist, einer Zeitschrift, die sicher nicht dem Esoterikverdacht unterliegt. 2006 erschien dort ein Artikel zur Achtsamkeitmethode in therapeutischen Verfahren: “Achtsamkeit – Willkommen im Jetzt!

Einen ersten Eindruck zur Achtsamkeitsmethode kann man in einem YouTube-Video gewinnen, das einen Vortrag von Jon Kabat-Zinn beim Suchmaschinenunternehmen Google zeigt. Der ganze Vortrag dauert etwas über eine Stunde. Nach den Einführungen kommt Kabat-Zinn ca. ab Minute 20 zum Kern der Sache – bei Bedarf also einfach dahinspringen. Eine deutsche Transkription des Videos findet sich hier.


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Einen sehr guten Einstieg in achtsamkeitsbasierende Verfahren bietet das Buch “Stress bewältigen mit Achtsamkeit” von Linda Lehrhaupt, die das Institut für Achtsamkeit und Stressbewältigung leitet. Eine allgemeine Orientierung und Hintergünde zum Thema finden sich in einem Buch, das Daniel Golemann herausgegeben hat: Die heilende Kraft der Gefühle: Gespräche mit dem Dalai Lama über Achtsamkeit, Emotion und Gesundheit. Es enthält Dialoge des Dalai Lama mit westlichen Wissenschaften über die Rolle von Emotionen und Achtsamkeit als Heilmittel.

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Kostenlose Meditationsübungen im Internet

June 3rd, 2010

Bei Zencast (alternative Adresse hier) gibt es derzeit über 250 geführte Meditationsübungen, die unter einer Creative Commons Lizenz stehen, also frei heruntergeladen werden dürfen. Die Übungen sind allerdings auf Englisch. Die einzelnen Episoden widmen sich ganz unterschiedlichen Bereichen, von Einsteigerübungen über Mindfulness bis zu speziellen Themen. Wer ein wenig rumstöbert, hat gute Chancen, etwas zu finden, das zu den eigenen Interessen passt.

Alternativ kann man im Buch “Meditation für Anfänger” (inklusice CD) von Jack Kornfield, der einer der bekanntesten westlichen Meditationslehrer ist, eine Anleitung zur Meditation finden. Kornfield lehrt insbesondere die Vipassana-Meditation, die an keine Religionszugehörigkeit gebunden ist, und in der die Übung von Achtsamkeit im Mittelpunkt steht. Auf der dem Buch beiligenden CD finden sich sechs geführte Meditationen.
Auch Jon Kabat-Zinn, emeritierter Professor aus New York, widmet sich der Achtsamkeitsmeditation. Von ihm gibt es das gut lesbare Buch “Im Alltag Ruhe finden: Meditationen für ein gelassenes Leben“.


Weitere Artikel zum Thema Meditation:
Meditation ohne Religion
Achtsamkeit im Alltag und in therapeutischen Verfahren

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Unglück kommt von allein …

May 12th, 2010

… fürs Glück muss man etwas tun.

Gestern habe ich darüber geschrieben, dass negative Gefühle stärker sind und länger nachwirken als positive. Was lehrt uns das? Es lehrt uns, dass wir die negativen Gefühle kontrollieren und aktiv nach förderlichen Faktoren für gute Gefühle Ausschau halten müssen. Das Gehirn lernt, und so erwerben wir Gewohnheiten. Wenn uns die negativen Gefühle im Griff haben, was uns aufgrund der Tendenz zur Negativität leicht passiert, so verstärken sich die neurologischen Mechanismen, die uns ängstlich, pessimistisch oder scheu machen. Umgekehrt können sich aber auch die positiven Mechanismen verstärken, also zur Gewohnheit werden, wenn sie nur ausreichend ausgeübt werden. Das macht sich beispielsweise die psychologische Verhaltenstherapie zu Nutze, wenn sie Phobien oder Depressionen behandelt.

Für unseren Gefühlshaushalt bedeutet dies, dass wir für unser Glück darauf achten müssen, dass negative Gefühle nicht die Oberhand gewinnen, und dass wir die positiven Faktoren, die unserer Seele gut tun, aktiv suchen und pflegen müssen. Selbst festgefahrene negative Denkgewohnheiten, die unser Wohlbefinden beeinträchtigen, können durch eine aktive Ausübung neuer positiver Wahrnehmungen und Bewertungen, verlernt und durch positive Gewohnheiten ersetzt werden.

Unsere Welt entsteht vor allem in unseren Köpfen. Emotionen, Bewertungen, Erinnerungen, Fantasien, Reflexionen – das alles sind mentale Vorgänge, die die Eindrücke, die uns die Welt liefert, verarbeiten. Aber der Ablauf dieser mentalen Vorgänge ist nicht für alle Zeiten festgeschrieben. Das Gehirn ist plastisch. Nervenbahnen verstärken sich oder bauen wieder ab, je nachdem, wie sehr sie in Gebrauch sind. Man kann die positiven Strategien also üben und das Gehirn dazu anregen, sie als Gewohnheit zu lernen.

Man kann zwar nicht durch Wünschen beeinflussen, ob die Welt uns negative oder positive Daten liefert. Aber wie wir diese Daten handhaben und wie wir damit in unserem Leben bestehen, haben wir durchaus in der Hand. Das ist es, was in der Philosophie ursprünglich einmal mit guten und schlechten Gewohnheiten gemeint war, bevor diese Begriffe durch mehr oder weniger willkürliche Moralkonventionen (und ebenso willkürliche Rebellionen dagegen) in Misskredit gerieten. In der Frage der psychischen Gesundheit geht es aber nicht um umstrittene Konventionen, sondern um die guten Gewohnheiten, die einen Menschen gesund, handlungs- und glücksfähig machen.

Depression bislang nicht genetisch erklärbar

April 29th, 2010

Stephan Schleim berichtet auf Telepolis vom aktuellen Stand der Forschung zu den Ursachen von Depressionen. Die These, dass sie auch genetisch bedingt sein könnten, scheint durch eine neue Studie entkräftet worden zu sein. Nachdem man eine zeitlang annahm, dass das Serotonintransporter-Gen das Risiko, von Depressionen betroffen zu sein, erhöhen könnte, zeigte sich nun, dass genau dies nicht der Fall ist. Offenbar wird die Genetik hier überschätzt. Der Einfluss tragischer Lebensereignisse auf Depressionen scheint die wichtigste Ursache zu sein – erfolgversprechende Therapien müssen entsprechend hier ansetzen. Psychische Phänomene sind so komplex, dass es nicht so aussieht, als ob die Genetik hier im großen Umfang Erklärungs- und Behandlungspotenzial besitzt. Allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass genetische Faktoren existieren, die im Zusammenhang mit Depression stehen.

Nachtrag: Nach einem freundlichen Hinweis von Stephan Schleim hier in den Kommentaren habe ich diesen Beitrag überarbeitet, um Missverständnissen vorzubeugen.

Stephan Schleim: Doch kein Depressions-Gen, telepolis, 2009.