Posts Tagged ‘Steven Pinker’

Willensstärke – Selbstkontrolle für ein gelingendes Leben

September 10th, 2011

Steven Pinker, Professor für Psychologie an der Harvard Universität, ist nicht nur für seine wissenschaftlichen Beiträge bekannt, sondern auch als Autor zahlreicher populärwissenschatlicher Bücher, in denen er Resultate der Hirnforschung, Psychologie und Philosophie einem breiten Publikum verständlich erklärt. Er schreibt auch häufig Artikel für große Zeitschriften und Zeitungen, wie zuletzt wieder für die New York Times unter den Titel “Das süße Geheimnis der Selbstkontrolle” (Englisch).

In diesem letzten Artikel geht es aber nicht um eines seiner eigenen Bücher. Diesmal empfiehlt Pinker ein neues Buch über Willensstärke, dass der Psychologe Roy Baumeister zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten John Tierney geschrieben hat.

Willensstärke, Selbstkontrolle – das klingt wie das Vokabular eines lustfeindlichen, hölzernen Moralpredigers, der steife Disziplin fordert, die völlig unrealistisch ist. Aber man kommt kaum umhin, zuzugeben, dass wir häufiger und stärker als je zuvor erleben, dass dies Fähigkeiten sind, die uns aus dem Teufelskreis der menschengemachten Ablenkungen und Selbstschädigungen herausführen könnten: im Alltag haben wir enorme Schwierigkeiten, weniger zu essen, zu trinken und zu konsumieren; wir kommen nicht vom Fernseher oder vom Computer los, und sind abhängig von Alkohol, Nikotin oder sogar Kokain. Was ist los mit unserer Fähigkeit, unser Leben in den Griff zu bekommen, und die schlechten oder maßlos übertriebenen Angewohnheiten einzugrenzen?

Baumeister hat herausgefunden, dass Willensstärke ähnlich wie ein Muskel ist. Das hat zwei Konsequenzen. Zum einen ermüdet der Wille nach einer Anstrengung, und dann übt man ziemlich sicher weniger Kontrolle über sich selbst aus.

Andererseits kann Selbstkontrolle aber auch trainiert werden. Dies sollte man am besten in kleinen und regelmäßigen Einheiten tun. Auf keinen Fall sollte man gleich die große Verhaltensänderung bei allen schlechten Angewohnheiten gleichzeitig in Angriff nehmen – denn dabei ist das Scheitern und die Überforderung der Willensstärke vorprogrammiert. Und man sollte auch nicht gleich als erste Trainingsaufgabe eine Diät beginnen – denn der Wille braucht Zucker, nicht nur sprichwörtlich.
Lieber kleine Schritte, die aber regelmäßig – diese oft empfohlene Faustformel ist psychologisch gut untermauert.

Außerdem hilft es, Gelegenheiten, die einen Entschluss gefährden, zu meiden. “Fessele dich an den Mast wie Odysseus oder stopf dir Wachs in die Ohren”, so diese Empfehlung in Pinkers Worten.

Willensstärke, Willenskraft, Motivation oder Selbstkontrolle ist der wichtigste Faktor für ein erfolgreiches und zufriedenstellendes Leben – das zeigt die psychologische Forschung. Es sieht so aus, als seien Senecas stoische Lebenstipps gar nicht so weltfremd, wie seine Gegner unken. Es kommt darauf an, sie in ein realistisches Lebenskonzept einzubetten, ohne in puritanische Moralistik zu verfallen. Dieser Unterschied ist entscheidend: das eine ist das Gute, das andere ist unrealistsich und schädlich.

.

. .